«Viagra für Frauen» nimmt Hürde zur US-Markteinführung

Eine «Viagra für Frauen» genannte Tablette hat in den USA eine wichtige Hürde zur Zulassung genommen. Ein Ausschuss der amerikanischen Arzneibehörde FDA bei Washington empfahl mit 18 zu 6 Stimmen, das Präparat namens Flibanserin zuzulassen.

«Viagra für Frauen» nimmt Hürde zur US-Markteinführung
Db Driessen «Viagra für Frauen» nimmt Hürde zur US-Markteinführung

Die «Pink Viagra» genannte Pille soll Frauen helfen, die unter Unlust auf Sex leiden. Die Zulassung zieht sich seit Jahren hin - begleitet von politischen und gesellschaftlichen Kontroversen.

Der FDA-Ausschuss betonte, dass vor einer endgültigen Zulassung mögliche Nebenwirkungen weiter untersucht werden sollten. Die «New York Times» nennt als Beispiele etwa niedrigen Blutdruck, Ohnmachtsanfälle, Übelkeit und Schwindel.

Was beunruhigend klingt, ist in der Liste der Nebenwirkungen vieler Medikamente üblich, auch wenn es nur selten oder sehr selten vorkommt. Die FDA will geklärt wissen, dass es sich auch bei Flibanserin nur um seltene Nebenwirkungen handelt.

Frigidität oder sexuelle Gefühlskälte ist ein Problem für Millionen Frauen: Sie haben keine Lust auf Sex und empfinden keinen Spaß am Geschlechtsverkehr. Die Störung der Libido ist eine Belastung für viele Beziehungen, die oft psychotherapeutisch behandelt wird - häufig mit geringem Erfolg. Die Ursachen können auch von einer Krankheit herrühren, dafür ist das Präparat jedoch nicht gedacht.

Flibanserin war ursprünglich eine Entwicklung der rheinland-pfälzischen Boehringer Ingelheim, die das Projekt aber 2010 nach einem negativen FDA-Bericht aufgab. Sprout Pharmaceuticals aus Raleigh, North Carolina, übernahm danach die Forschung, die jetzt zum Erfolg führen könnte.

Nach Angaben des Unternehmens sind sieben Prozent aller Frauen vor den Wechseljahren von einer Störung der Libido, die nicht durch Krankheiten erklärt werden kann, betroffen. Wird Flibanserin zugelassen, müssten sie abends vorm Schlafengehen die rosa Pille nehmen.

Flibanserin war nach 2010 noch einmal 2013 von der FDA abgelehnt worden, weil es nicht als sicher galt. Darauf gab es heftige Kontroversen zwischen Frauenrechtsgruppen. Die einen warfen der Behörde Sexismus vor, weil sie Viagra zugelassen habe, nicht aber Flibanserin. Andere Gruppen behaupteten, das Unternehmen missbrauche die Aktivistinnen, um ein noch nicht als sicher bewiesenes Präparat durchzudrücken.