NGG fordert für die Fleischindustrie Mindestlohn

Mit der Forderung nach einem bundesweiten Mindestlohn geht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in die Tarifverhandlungen für die Fleischindustrie.

«Wir fordern eine Mindestlohn-Absicherung von mindestens 8,50 Euro», sagte am Dienstag ein Gewerkschaftssprecher. Nach der breiten Diskussion um die Arbeitsbedingungen in den Schlachtbetrieben fordert die NGG bei den Verhandlungen in Hannover auch strukturelle Verbesserungen für die bundesweit gut 80 000 Arbeitnehmer. Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland ist auch Ziel der SPD in ihren Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU.

Die Bezahlung der Mitarbeiter in der Branche ist bisher über einzelne Haus- oder regionale Tarife geregelt, die nur rund 27 000 Beschäftigte erfasst. Ein bundeseinheitliches Tarifwerk gibt es nach Angaben von NGG-Sprecherin Karin Vladimirov bisher nicht. Die Branche hatte Schlagzeilen wegen der prekären Wohn- und Arbeitsverhältnisse von Leih- und Werkvertragsarbeitern gemacht, die einen Großteil der Beschäftigten stellen. Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Ernährungsindustrie, Michael Andritzky, sagte im ARD-Morgenmagazin: «Wir wollen, dass diese Branche aus dem Gerede kommt.»

Vor dem Verhandlungsauftakt am Mittag forderte die grüne Vize-Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bärbel Höhn in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag) ein Ende der Schlachtungen im Akkord. Der Druck führe zu schweren Missständen: Jedes Jahr würden in Deutschland rund eine halbe Million Schweine lebend und bei Bewusstsein in die Brühanlage gelangen.