Nicht genügend Notunterkünfte in München

Angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Flüchtlingslage in München kommt das bayerische Kabinett am Sonntag zu einer Sondersitzung zusammen, teilte die Staatskanzlei am Abend mit.

Die Belastungsfähigkeit Münchens ist am Limit. Die Behörden suchen nach neuen Lösungen. Zeltstädte und die Olympiahalle sollen als Notunterkünfte bereitgestellt werden. Erstmals seit Beginn der großen Flüchtlingswanderung vor einer Woche konnte die bayerische Landeshauptstadt am Samstag nicht mehr garantieren, dass alle Ankommenden sicher eine Notunterkunft bekommen.

Die bayerische Landeshauptstadt München hat seit Ende August 63 000 Flüchtlinge empfangen und versorgt. Das entspreche der Bevölkerung einer Kleinstadt, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, am Sonntag.

Am Samstag waren den Angaben zufolge mehr als 12 000 Menschen am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Für einige hatte es kurzfristig keine Betten in regulären Notunterkünften mehr gegeben. Sie mussten auf Matten übernachten. Die Stadt verfügt derzeit über etwa 6000 Notunterkünfte.

Am Sonntag trafen bis zum Mittag etwa 1400 weitere Flüchtlinge ein. Weitere Prognosen wurden nicht gemacht. Allgemein wurde aber mit einer leichten Entspannung der Lage gerechnet.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kritisierte erneut die mangelnde Unterstützung aus anderen Bundesländern. Außer nach Nordrhein-Westfalen seien am Samstag lediglich acht Busse mit insgesamt 400 Menschen in andere Bundesländer gestartet. «Das ist einfach lächerlich», sagte Reiter. München übernehme gerade eine nationale Aufgabe. Die Situation sei seit Tagen absehbar gewesen. Dennoch habe sich nichts getan. Er sei «bitter enttäuscht, dass es nun auf eine Situation zuläuft, in der wir sagen müssen: Wir haben für ankommende Flüchtlinge keinen Platz mehr.»

Er finde es seitens der anderen Bundesländer nach zehn Tagen «absolut dreist, zu sagen: wir sind am Anschlag». Wer so spreche, solle sich in München ansehen, was «am Anschlag» bedeute. Reiter und Hillenbrand wiederholten ihren Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen Bundesländer, München und die Region nicht alleinzulassen. Jeder Zug, der in einer anderen Kommune ankomme, sei eine Entlastung für München.

Nach Informationen von ehrenamtlichen Helfern übernachteten einige Menschen auch am Zentralen Busbahnhof. Die Lage werde gerade geprüft, sagte Marina Lessig, Koordinatorin für das ehrenamtliche Engagement, kurz vor Mitternacht. «Wir sind zuversichtlich, dass wir zumindest alle mit dem Notwendigsten versorgen können: Decken, Wasser, Nahrung.» Ehrenamtliche und Feuerwehr hätten bereits begonnen, eine Zeltstadt aufzubauen, sagte Lessig. Auch in der Olympiahalle liefen bereits die Vorbereitungen, um dort Flüchtlingen vorübergehend aufzunehmen.

Auch die Bundeswehr half beim Einrichten der Notlager. Feldbetten seien kaum noch zu bekommen, hieß es. Gegen 20.30 Uhr hatten Helfer die Münchner über die sozialen Medien aufgerufen, Schlafsäcke und Isomatten zu bringen. «Wir haben weit mehr bekommen, als wir brauchen», sagte Lessig. «Wir werden den Aufruf aber noch nicht stoppen, weil wir nicht wissen, was morgen los ist.»

Denn Tausende weitere Menschen sind auf dem Weg. Die Balkanroute sei voller denn je, hieß es.