Niedrigzinsen belasten Lebensversicherer und ihre Kunden

Die Niedrigzinsen machen Versicherern und ihren Kunden zu schaffen. Lebens- und Rentenversicherungen werfen immer weniger ab.

Niedrigzinsen belasten Lebensversicherer und ihre Kunden
Uwe Zucchi Niedrigzinsen belasten Lebensversicherer und ihre Kunden

Hält die Niedrigzinsphase an, könnte einige in Schwierigkeiten geraten - so das Ergebnis eines Stresstestes der Europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa. Auch Schaden- und Unfallversicherungen etwa für Kfz und Hausrat bleiben von den Niedrigzinsen nicht unberührt.

Warum bereiten niedrige Zinsen den Versicherern Probleme?

Lebens- und Rentenversicherungen hatten ihren Kunden in früheren Jahren Zinsgarantien von bis zu 4 Prozent zugesagt. Diese müssen sie weiterhin erfüllen, doch in Zeiten niedriger Zinsen werfen sichere Anlagen entsprechende Renditen derzeit nicht mehr ab. Wegen staatlicher Vorgaben legen die Assekuranzen einen Großteil der Gelder in als sicher geltenden Staatsanleihen und Schuldverschreibungen von Banken an. Hohe langfristige Zinsgarantien waren vor allem in Deutschland, Österreich, Malta und Schweden üblich.

Welche Versicherungen sind besonders betroffen?

Bei Lebens- und Rentenversicherungen führt das anhaltende Zinstief seit Jahren zu sinkenden Überschussbeteiligungen. Der Chef des Versicherers Ergo, Torsten Oletzky, beschrieb im «Tagesspiegel» die Entwicklung so: Im Jahr 2000 habe seine Lebensversicherung noch eine laufende Verzinsung - Garantiezins und Überschussbeteiligung - von 7,3 Prozent gebracht. Inzwischen könne er nur noch mit der Hälfte rechnen. Der Garantiezins, der vom Bundesfinanzministerium festgelegt wird, liegt für Verträge, die seit dem Jahr 2012 abgeschlossen wurden bei 1,75 Prozent. Zum Jahreswechsel fällt er für Neuverträge auf 1,25 Prozent. Im Schnitt müssen Versicherer jedoch noch Zinsgarantien von mehr als 3 Prozent erfüllen. Was sie für die hochverzinsten Altverträge beiseitelegen, fehlt als Überschussbeteiligung.

Was ist mit anderen Versicherungsarten?

Besonders schwer trifft das Zinstief die klassische Lebens- und Rentenversicherung, auch wenn sie als Riester-Rente oder betriebliche Altersversorgung angelegt sind. Aber auch in der Schaden- und Unfallversicherung machen sich die Niedrigzinsen bemerkbar. Weil Versicherer die Prämieneinnahmen etwa in der Kfz-, Gebäude- oder Hausratversicherung kaum noch durch Zinseinnahmen aufpeppen können, versuchen sie bei den Kunden höhere Beiträge durchzusetzen.

Wie reagieren die Versicherer auf die niedrigen Zinsen?

Die Unternehmen suchen nach alternativen Anlageformen, die höhere Renditen abwerfen als klassische Investitionen in Anleihen. Zudem bringen sie neue Lebensversicherungsprodukte ohne die klassischen Zinsgarantien auf den Markt. So bauen sowohl Marktführer Allianz als auch die Versicherer Ergo und Axa auf solch neuartige Policen, bei denen Kunden im Gegenzug von höheren Renditechancen profitieren sollen. Bei der Anlage der Versichertengelder geht der Trend zu Investitionen in Infrastruktur wie Autobahnen, Gas- und Stromnetze, Solar- und Windkraftanlagen oder Flughäfen. Die Versicherungsbranche fordert vom Staat, solche Investitionen zu erleichtern. Der Präsident Versicherungsaufsicht Eiopa, Gabriel Bernardino, mahnt die Branche allerdings, nur in Dinge zu investieren, von denen sie etwas verstehe.