Niedrigzinsen fördern Lust auf «Betongold» als Altersvorsorge

Die Niedrigzinsen vergällen den Bundesbürgern zunehmend die Lust an der privaten Altersvorsorge. Wer dennoch etwas für einen finanziell abgesicherten Ruhestand tun will, setzt zunehmend auf «Betongold»: Ein Drittel aus dieser Gruppe möchte gern Haus oder Eigentumswohnung zur Selbstnutzung kaufen.

Das ist fast die Hälfte mehr als noch vor fünf Jahren. Das ergab eine Allensbach-Umfrage im Auftrag der Postbank.

Danach haben allerdings 47 Prozent und damit knapp die Hälfte der Berufstätigen nicht mehr die Absicht, zur Absicherung des Lebensstandards im Rentenalter mehr als bisher auf die hohe Kante zu legen. Zehn Jahre zuvor lag die Quote der Unwilligen erst bei 30 Prozent. Die Umfrage wurde zum zehnten Mal in Folge erhoben.

Die Postbank, die selbst Altersvorsorgeprodukte anbietet, fürchtet wegen der niedrigen Zinsen eine gefährliche Abwärtsspirale für diesen Zweig. Dabei seien wegen der geringen Erträge von Finanzanlagen grundsätzlich mehr Sparanstrengungen nötig, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Seit Jahren sinken die Zinsen für Sparbücher und Lebensversicherungen, aber auch für Tages- und Festgeld.

Damit gibt es kaum noch Anreiz zum Sparen. So halten nur noch zehn Prozent der Befragten eine Lebensversicherung mit Kapitalauszahlung für eine «besonders sichere Form der Altersvorsorge». 31 Prozent der Berufstätigen können im Ruhestand kein Geld aus einer privaten Altersvorsorge erwarten. Drei von vier Bundesbürgern halten die gesetzliche Rente aktuell für die «ideale Form der Alterssicherung».

«Die eigenen vier Wände sind inzwischen mit weitem Abstand die beliebteste Form in Deutschland, fürs Alter vorzusorgen», sagte Postbank-Vorstand Dieter Pfeiffenberger. Dabei spielen die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten genauso eine Rolle wie die Aussicht, im Alter mietfrei zu wohnen. Der Umfrage zufolge fordern fast 40 Prozent mehr staatliche Unterstützung beim Erwerb eines Eigenheimes.

Im Osten Deutschlands glaubt der Umfrage zufolge inzwischen mehr als jeder Vierte, dass er im Ruhestand mit dem Geld nicht auskommt. Das sind doppelt so viele wie im Westen. 74 Prozent der Befragten erwarten vom Staat die Problemlösung für ein auskömmliches Alter.

Die Umfrageergebnisse decken sich mit der jüngsten Entwicklung: Im ersten Halbjahr 2013 erhöhte sich die Zahl der Riester-Verträge nur noch um 79 000 auf insgesamt 15,76 Millionen. Nachfrage gab es nur bei sogenannten Wohn-Riester-Verträgen für eigengenutzte Immobilien.

Die staatlich geförderte Riester-Rente wurde 2001 mit dem Ziel eingeführt, Abstriche bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Bis Ende 2011 wurden jährlich eine Million oder mehr Vertragsabschlüsse gemeldet. Die Entwicklung kam ins Stocken. Bei Riester-Sparverträgen ist das angesparte Geld einschließlich der staatlichen Prämien nominal abgesichert. Wegen niedriger Renditen und hoher Kosten geriet die Riester-Rente aber immer wieder in die Kritik.

Nach einer neuen Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gehen 42 Prozent der Beschäftigten davon aus, dass ihre Rente später nicht zum Leben reicht. Das sind vier Prozentpunkte mehr als 2012. Eine «gerade ausreichende Rente» erwarten 40 Prozent.