Niersbach-Wahl: «Mein Ding ist der deutsche Fußball»

Für Wolfgang Niersbach ist es der nächste Schritt in seiner ungewöhnlichen Karriere als Sportpolitiker.

Niersbach-Wahl: «Mein Ding ist der deutsche Fußball»
Andreas Gebert Niersbach-Wahl: «Mein Ding ist der deutsche Fußball»

Für den DFB ist die Wahl seines Präsidenten zum Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees aber vor allem das ersehnte Signal für das Ende der peinlichsten Posse unter Deutschlands Fußball-Funktionären. Wenn Niersbach am Dienstag beim UEFA-Kongress in Wien als Gesandter Europas in die sogenannte Fußball-Weltregierung gewählt wird, ist der endgültige Übergang von seinem mittlerweile in Feindschaft verbundenen Vorgänger Theo Zwanziger praktisch vollzogen, auch wenn Zwanzigers Amtszeit formal erst beim FIFA-Kongress im Mai endet.

«Mein Ding ist der deutsche Fußball. Ich will meine Verbindungen, die so schlecht nicht sind, für den deutschen Fußball einbringen - und als Vertreter der UEFA in der FIFA», sagte Niersbach der Deutschen Presse-Agentur. Den Namen Zwanzigers nimmt er am liebsten gar nicht mehr in den Mund. Spätestens seit dieser seine Vergütungsregelung mit dem DFB von den Ethikkommissaren der FIFA überprüfen ließ, ist für Niersbach das Tischtuch nicht zerschnitten, sondern zerfetzt.

Niersbachs Aussage ist auch eine klare Botschaft, was in den letzten Monaten zum Problem geworden ist. Zwanziger hat sich nach seinem Rückzug als nationaler Verbandschef komplett entfremdet, vom DFB und der UEFA, deren Interessen er eigentlich in der FIFA vertreten soll. Kurz vor der WM 2014 kulminierte der Konflikt mit öffentlichen Anfeindungen erstmals richtig. Das DFB-Präsidium rief seinen Ex-Chef bei einer Sitzung unter Palmen in Brasilien erfolglos zur Räson.

Wie so oft bei Dauer-Konflikten mit gegenseitigen Anschuldigungen und ganz vielen Eitelkeiten, ist es schwer zu rekonstruieren, an welchem Zeitpunkt der Graben zu tief war, um noch Brücken zu bauen. Noch vor vier Jahren sorgte Niersbach als Strippenzieher hinter den Kulissen dafür, dass Zwanziger so wie er nun am Dienstag ohne Gegenkandidat in die FIFA-Exekutive gewählt wurde. Heute wäre so eine Zusammenarbeit unvorstellbar.

Beim DFB wurde Zwanziger seit Jahren nicht mehr gesehen, nachdem ihm zur Jahreswende 2012 ein Rücktritt von seinem Rücktritt hinter den Kulissen verwehrt worden war. Auch UEFA-Sitzungen bleibt er kontinuierlich fern - auch für den Wien-Kongress, seinem offiziellen UEFA-Abschied, sagte er nach dpa-Informationen ab. Zwanziger ist in den bewegten Wahlkampfzeiten um den FIFA-Thron ins Lager von Joseph Blatter übergelaufen, dem er am Freitag nochmals vor der Weltpresse zu der aus seiner Sicht hervorragenden Arbeit im FIFA-Demokratisierungsprozess gratulierte.

Niersbach plädiert offen für die Ablösung Blatters, ist dabei aber Pragmatiker genug, dass er den ewigen Weltverbandschef nicht per se als Fußball-Übel hinstellt. «Ich habe ein offenes Verhältnis zu Sepp Blatter. Ich habe ihm meine Meinung auch unter vier Augen gesagt. Ich werbe auch dafür, Sepp Blatter nicht für alles Negative in der Fußballwelt verantwortlich zu machen», sagte Niersbach.

Es wird wieder mehr Sachlichkeit Einzug halten, im Beziehungs-Dreieck zwischen DFB, UEFA und FIFA. Auch wenn gerade in England die Hoffnung geäußert wird, Niersbach könne gemeinsam mit dem neuen britischen FIFA-Exekutivmitglied, dem ehemaligen Boss von Manchester United, David Gill, einen sogenannten «awkward squad» (feindliche Rotte) bilden, der Blatter als interne Opposition das Leben schwer macht.

Das wäre untypisch für Niersbach. Dafür hat er zu viel von seinem Förderer Franz Beckenbauer gelernt. Der Kaiser begleitete den einstigen Agenturjournalisten als dessen Vorgesetzter auf vielen Karrierestufen, sei es als Weltmeister-Teamchef 1990 mit dem Pressesprecher Niersbach oder als WM-Macher 2006 mit dem Vize-OK-Chef Niersbach. Erst nach dem Sommermärchen musste sich Niersbach von Beckenbauer emanzipieren.