Nobelpreise in Stockholm und Oslo verliehen

Elf Männer und eine Frau sind in Stockholm mit Nobelpreisen geehrt worden. Literaturpreisträgerin Alice Munro konnte nicht dabei sein. In Oslo bekamen die Giftgaszerstörer der OPCW den Friedensnobelpreis.

Nobelpreise in Stockholm und Oslo verliehen
Claudio Bresciani Nobelpreise in Stockholm und Oslo verliehen

Für ihren unermüdlichen Einsatz für eine Welt ohne Chemiewaffen sind die Giftgasvernichter der OPCW in Oslo mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. «Dies ist das erste Mal, dass der Friedenspreis an eine Organisation geht, die sich aktiv für die Abrüstung als praktische und andauernde Realität einsetzt», sagte der Generaldirektor der Organisation zum Verbot von Chemiewaffen, Ahmet Üzümcü, am Dienstag bei der Verleihung in Norwegens Hauptstadt.

Wenige Stunden später überreichte Schwedens König Carl XVI. Gustaf in Stockholm elf Männern Auszeichnungen in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaft. Literaturpreisträgerin Alice Munro wurde in Abwesenheit gewürdigt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie die weite Anreise aus Kanada nicht antreten. Stattdessen nahm ihre Tochter Jenny Munro den prestigeträchtigen Preis für ihre 82 Jahre alte Mutter entgegen. Die Nobelpreise sind mit jeweils 8 Millionen schwedischen Kronen (knapp 900 000 Euro) dotiert.

Den Friedensnobelpreis hatte im vergangenen Jahr die EU bekommen. Dass das norwegische Nobelkomitee 2013 erneut eine Organisation ehrte, hatte viele überrascht. «Unsere Aufgabe ist es, Chemiewaffen für immer Geschichte werden zu lassen», sagte OPCW-Chef Üzümcü.

Die OPCW, die 1997 zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention gegründet worden war, beeile sich, «die Vision von einer chemiewaffenfreien Welt Realität werden zu lassen», sagte Üzümcü. Mehr als 80 Prozent der bekannten weltweiten Giftgasvorräte seien bereits zerstört. Mitte 2014 soll alles Giftgas aus Syrien verschwunden sein. Doch auch nach dem Ende dieser Mission liegt das Ziel einer chemiewaffenfreien Welt noch in einiger Ferne. «Manche Staaten sind immer noch keine OPCW-Mitglieder», heißt es mahnend in der Begründung des diesjährigen Friedensnobelpreises.

Bei der Preisverleihung in Oslo würdigte Nobelkomitee-Chef Thorbjörn Jagland auch Südafrikas Nationalhelden Nelson Mandela, von dem sich zeitgleich Zehntausende Menschen bei einer Trauerfeier in seiner Heimat verabschiedeten. Der große Staatsmann hatte 1993 den Nobelpreis bekommen. «Mandela ist auf jeden Fall den höchsten Ansprüchen des Preises gerecht geworden.» Auch OPCW-Direktor Üzümcü erwähnte Mandela in seiner Nobelrede.

Vor dem Stockholmer Konzerthaus nahm die Polizei vier Nackte bei dem Versuch in Gewahrsam, in das Gebäude zu gelangen. Zuvor hatten chinesische Künstler angekündigt, aus Protest gegen die Vergabe des Literaturnobelpreises an Mo Yan 2012 nackt zu demonstrieren. Der Chinese hatte Empörung ausgelöst, weil er die Zensur in seiner Heimat indirekt verteidigt und sich geweigert hatte, sich einer Initiative von Nobelpreisträgern zur Freilassung des inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo anzuschließen.

Wegen der Trauerfeier für Mandela in Südafrika konnte die schwedische Kronprinzessin Victoria die Preisverleihung in Stockholm nicht besuchen. Auch ihre Schwester Prinzessin Madeleine fehlte. «Weil ich im Februar ein Mädchen erwarte, wäre es schwierig für mich, an dem langen Programm über zwei Tage teilzunehmen. Mein Herz wird aber in Stockholm sein», schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite.