Noch-Borusse Reus trifft und schweigt in München

Ablehnend hob Marco Reus die Hand und huschte aus der Arena zum Dortmunder Mannschaftsbus. Kein Kommentar nach der ärgerlichen 1:2-Pleite seiner Borussen beim FC Bayern.

Weder über seine Leistung, seinen Führungstreffer oder die katastrophale Bundesliga-Bilanz des BVB noch zu den öffentlichen Spekulationen über einen Wechsel nach München zur neuen Saison.

«Marco Reus setzt sich so ein, wie sich ein Spieler bei Borussia Dortmund für den Verein einsetzen muss», sagte dafür BVB-Präsident Reinhard Rauball.

Der Clubchef hat die Hoffnung auf einen Verbleib des Mittelfeldstars noch nicht aufgegeben, wie er öffentlich betonte. «Da müssen Sie den Marco Reus eben selbst fragen. Meiner persönlichen Meinung nach ist da noch keine Entscheidung gefallen», sagte Rauball im ZDF-«Sportstudio». Andere BVB-Offizielle reagierten nur noch genervt auf Fragen nach der Zukunft von Reus. «Da haben wir schon genug zu gesagt, es ist nur noch nervig», schimpfte Sportchef Michael Zorc. Auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp schien große Mühe zu haben, die Contenance zu behalten. «Das Thema ist wirklich nicht mein Thema im Moment», sagte er mit säuerlicher Miene im «Sportstudio». «Ich kann dazu überhaupt nichts sagen, weil ich es nicht weiß.»

Der 25 Jahre alte Reus steht beim BVB eigentlich noch bis zum Sommer 2017 unter Vertrag, könnte die Westfalen aber durch eine Ausstiegsklausel schon vorzeitig verlassen. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte die Spekulationen um einen baldigen Transfer zum FC Bayern schon vor Monaten durch spitze Aussagen befeuert, am Samstag hielt er sich mit weiteren Stellungnahmen zurück.

«Wir müssen niemanden schwächen. Jeder Transfer hat exklusiv nur ein Ziel: Die Qualität unserer Mannschaft zu stärken», schrieb Rummenigge vor der brisanten Bundesligapartie im vereinseigenen Bayern-Magazin. Angesprochen auf die Ausstiegsklausel von Reus erklärte Rummenigge: «Die ist bekannt. Mehr möchte ich aus Respekt zu unserem Gegner aktuell nicht sagen.» Die Höhe der festgeschriebenen Ablösesumme ist nicht protokolliert. FCB-Sportchef Matthias Sammer stellte bei Sky fest: «Marco Reus ist ein Spieler von Borussia Dortmund. Welche Gedankengänge wir haben, besprechen wir intern.»

Nach Mario Götze und Robert Lewandowski drohen die Dortmunder womöglich schon kommendes Jahr das nächste Juwel an die wirtschaftlich unbezwingbaren Bayern zu verlieren. Zumindest am Samstag trug Reus aber noch das schwarz-gelbe Dress und ließ die Borussen durch seinen Führungstreffer zwischenzeitlich auf den dritten Saisonsieg hoffen. Nach Abpfiff wirkte Reus so betreten wie alle BVB-Kicker - und schüttete sich noch auf dem Platz voller Enttäuschung eine halbe Flasche Wasser über den Kopf.