Nordkorea gibt Südkorea Schuld für Gesprächsabsage

Süd- und Nordkorea geben sich gegenseitig die Schuld dafür, dass der Termin für ihre ersten hochrangigen Annäherungsgespräche seit Jahren geplatzt ist.

Nordkorea gibt Südkorea Schuld für Gesprächsabsage
Yonhap

Das Komitee für die friedliche Wiedervereinigung Koreas - eine Organisation der in Nordkorea herrschenden Arbeiterpartei - beschuldigte Seoul am Donnerstag, mit Absicht ein Hindernis für die Gespräche geschaffen zu haben. Das Komitee reagierte auf Vorwürfe Südkoreas, Pjöngjang habe rangniedrigere Delegierte als Seoul entsenden wollen.

«Das zeigt, dass der Süden von Beginn an keinen Dialog führen wollte», wurde ein Sprecher des Komitees von den Staatsmedien zitiert. Es gebe nichts mehr zu erwarten von Gesprächen zwischen beiden Regierungen. Seoul reagierte prompt und bedauerte die Schuldzuweisung. Das Vereinigungsministerium warf Nordkorea vor, «die Fakten zu verdrehen».

Beide Länder hatten vereinbart, dass die Gespräche in dieser Woche in Seoul stattfinden sollten. Es sollte um die Normalisierung gemeinsamer Wirtschaftsprojekte und humanitäre Fragen gehen. Nordkorea hatte jedoch am Dienstag Einwände gegen die Nominierung von Vize-Vereinigungsminister Kim Nam Shik zum südkoreanischen Delegationsleiter erhoben und verlangt, Seoul solle einen Minister entsenden. Dies hatte der Süden abgelehnt. Nordkorea hatte sich nach südkoreanischen Angaben schon bei Vorbereitungsgesprächen geweigert, einen Delegierten im Kabinettsrang für das Treffen zu benennen.

Nach der Absage ist vorerst auch die Kommunikation über eine ständige Leitung an der Grenze wieder zum Erliegen gekommen, wie das Vereinigungsministerium in Seoul mitteilte. Nordkorea habe den zweiten Tag in Folge auf Routineanrufe nicht geantwortet. Nordkorea hatte die «Rot-Kreuz-Leitung» erst am vergangenen Freitag wieder hergestellt. Pjöngjang hatte sie vor über drei Monaten aus Protest gegen südkoreanisch-amerikanische Militärübungen gekappt.

Die Spannungen in der Region hatten sich nach Nordkoreas Atomtest im Februar deutlich verschärft. Pjöngjang hatte angesichts der Ausweitung von UN-Sanktionen mehrfach Kriegsdrohungen ausgestoßen. Zuletzt waren die Drohungen abgeflaut.