Nordkorea hält ersten Parteikongress seit 1980 ab

Inmitten zunehmender Spannungen wegen seines Atomprogramms hat Nordkorea hinter verschlossene Türen den ersten Kongress der herrschenden Arbeiterpartei seit 1980 eröffnet.

Nordkorea hält ersten Parteikongress seit 1980 ab
Jeon Heon-Kyun Nordkorea hält ersten Parteikongress seit 1980 ab

Nordkoreanische Beamte hätten den Beginn im Haus der Kultur in Pjöngjang bestätigt, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo aus der nordkoreanischen Hauptstadt. Es wurde erwartet, dass Machthaber Kim Jong Un den Kongress benutzt, um seine Stellung zu festigen, Führungsämter mit loyalen Anhängern neu besetzt sowie politische und wirtschaftliche Richtlinien ausgibt.  

Es ist die wichtigste Versammlung im Einparteiensystem des weithin isolierten Staates seit Jahren. Offiziell teilte das Regime aber zunächst nichts über Programm oder Dauer mit. Über 100 eingeladene ausländische Medienvertreter wurden nicht in den Tagungssaal gelassen.

Nach Berichten der amtlichen chinesischen Agentur Xinhua waren etwa 3000 Partei-Delegierte aus dem ganzen Land zu dem Kongress angereist, der vermutlich drei Tag dauern werde. Am ersten Tag wurde eine Art Geschäftsbericht von Kim Jong Un zur Lage des Landes und über die Leistungen des Regimes in den vergangenen Jahren erwartet. 

Wie viel davon nach außen dringen wird, war zunächst unklar. Die Staatsmedien sprachen in dieser Woche von einem «historischen Ereignis», das den revolutionären Glauben der Nordkoreaner demonstrieren werde. Grundlage des nordkoreanischen Systems ist eine sozialistische Wirtschafts- und Staatsform, die vom früheren Staatschef und Kims Großvater, Kim Il Sung eingeführt wurde. 

Beobachter gingen davon aus, dass der Kongresse die Ende März 2013 beschlossene Doppel-Strategie im Prinzip bekräftigen wird, nach dem der Aufbau einer Atomstreitmacht und die Entwicklung der Wirtschaft parallel betrieben werden soll. Offen ist demnach, ob es Veränderungen in den wirtschaftlichen Plänen geben wird.  

Die Spannungen in der Region nehmen seit einem neuen Atomtest Nordkoreas im Januar - dem vierten des Landes - und einem umstrittenen Raketenstart zu. Der UN-Sicherheitsrat hatte Anfang März die Sanktionen gegen das kommunistische Regime verschärft. Nordkoreas Machthaber kündigte weitere Raketen- und Atomtests an. Südkoreas Regierung vermutet, dass das Nachbarland die Vorbereitungen für einen fünften Atomversuch bereits abgeschlossen hat und einen solchen Test jederzeit unternehme könnte.  

Südkoreanische Medien spekulierten, dass Kim Jong Un seine Schwester Kim Yo Jong, die Ende 20 sein soll, auf einen höheren Posten in der Partei befördern könnte. Sie soll derzeit als stellvertretende Leiterin der Propagandaabteilung des Zentralkomitees tätig sein.