Nordkorea provoziert mit neuem Atomtest

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet und damit weltweit Empörung ausgelöst.

Atomexperten in Südkorea und anderswo bestätigten am Mittwoch nach Erdbebenmessungen einen Atombombentest in dem international isolierten Land. Sie bezweifelten aber angesichts der begrenzten Sprengkraft, dass tatsächlich eine Wasserstoffbombe detonierte. Eine Wasserstoffbombe ist um ein Vielfaches stärker als eine herkömmliche Atombombe.

Dem kommunistischen Regime drohen nun verschärfte Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat. Das Gremium wollte nach südkoreanischen Medienberichten eine Dringlichkeitssitzung einberufen.

Seinen ersten Atomtest hatte Nordkorea vor zehn Jahren durchgeführt. Die Diktatur unter Machthaber Kim Jong Un sieht sich von den USA bedroht und stockt ihr Nukleararsenal seit Jahren stetig auf.

Messungen von Erdbebenwarten in der ganzen Welt belegen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea auf seinem Atomtestgelände im Nordosten einen Nukleartest unternommen hat. Zwischen 2006 und 2013 gab es auf dem Testgelände in Punggye Ri im Kreis Kilju bereits drei Atomtests - auf die der Weltsicherheitsrat jeweils mit neuen Sanktionen antwortete.

Die staatlich kontrollierten Medien jubelten, mit der erfolgreichen Erprobung einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) «in der perfektesten Weise» habe sich die Volksrepublik in die Reihe der Atommächte gestellt, die über eine solche Waffe verfügten.

Südkoreanische Militärexperten halten es aber für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte H-Bombe gezündet hat, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte. Die Stärke der Explosion sei dafür zu schwach gewesen.

Eine Wasserstoffbombe setzt Energie aus einer Kernverschmelzung frei. Als Zünder enthält sie eine Atombombe.

Nach Angaben der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) in Wien war die aktuelle Detonation ähnlich stark wie die vor drei Jahren. Stationen hätten eine Erschütterung der Stärke 4,9 gemessen, sagte der Chef-Datenanalyst der Organisation, Randy Bell. 

«Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion», teilte auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit, die von einer Stärke von 5,1 sprach. Das entspreche einer Sprengkraft von 14 Kilotonnen und somit in etwa der Stärke des Tests von 2013.

Kim hatte im vergangenen Monat angedeutet, sein Land besitze eine Wasserstoffbombe. Diese Angaben wurden in Südkorea aber angezweifelt. Das Verteidigungsministerium in Seoul vermutete, dass Nordkorea eine sogenannte geboostete Spaltbombe entwickelt haben könnte, eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Entwicklung einer H-Bombe.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye sagte bei einem Krisentreffen des Nationalen Sicherheitsrats, ihre Regierung werde dafür sorgen, dass Nordkorea einen entsprechenden Preis für seinen neuen Atomtest zahle. Auch Nordkoreas traditioneller Verbündeter China kritisierte den neuen Test. Die Sprecherin des Außenministeriums forderte Nordkorea auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und seine Atomwaffen aufzugeben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ den nordkoreanischen Botschafter in Berlin ins Auswärtige Amt einbestellen.

Das russische Außenministerium erklärte, falls Pjöngjang tatsächlich einen Nukleartest unternommen habe, wäre dies eine schwere Verletzung des Völkerrechts und der UN-Resolutionen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warnte in Brüssel, der Atomversuch untergrabe die «regionale und internationale Sicherheit». Japans Ministerpräsident Shinzo Abe nannte den Test «eine ernste Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes».