Nowitzki & Co. mit Holperstart in EM - Bangen um Benzing

Als der mühevolle Auftaktsieg in die Heim-EM zwölf Sekunden vor Ende feststand, erkundigte sich Superstar Dirk Nowitzki direkt nach dem Zustand von Robin Benzing.

Beim 71:65 über den unbequemen Außenseiter Island hatten die deutschen Basketballer noch mehr Mühe als erwartet und müssen für die schweren nächsten Aufgaben zudem um ihren verletzten Nowitzki-Ersatz bangen. «Ich habe gesehen, wie er auf der Bank saß und das sah gar nicht gut aus. Ich schätze mal, dass das für morgen nichts wird», sagte Nowitzki.

Ob mit Benzing oder nicht - für das Duell mit Vize-Weltmeister Serbien am Sonntag (15.00 Uhr) braucht das Team von Bundestrainer Chris Fleming eine deutliche Leistungssteigerung. «Das ist ein ganz anderes Kaliber», erklärte Nowitzki. Mit der Leistung gegen Island war der 37-Jährige nicht zufrieden. «Wir haben es ein bisschen verpasst, den Sack zuzumachen», resümierte Nowitzki den Start in die EM mit der Heim-Vorrunde in Berlin. «Wenn man mit 15, 16 Punkten vorne war, dann muss man das ein bisschen souveräner nach Hause spielen.»

Der 26 Jahre alte Benzing von CAI Saragossa war im letzten Viertel seinem Gegenspieler auf den Fuß getreten und humpelte nach der Schlusssirene in die Kabine, ohne auftreten zu können. «Er ist ein harter Hund, er wird durchkommen», sagte Bundestrainer Chris Fleming vor einer offiziellen Diagnose.

Ein Ausfall Benzings wäre angesichts der Verletzungsmisere auf der großen Flügelposition ein erneuter harter Rückschlag für die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes. Bereits vor dem Turnier mussten die Power Forwards Maximilian Kleber, Daniel Theis und Elias Harris verletzungsbedingt absagen. «Wir sind wie ein Puzzle. Wenn ein Teil fehlt, ist das Puzzle nicht komplett», sagte Center Tibor Pleiß zur Situation.

Trotz seines immensen Größenvorteils blieb der 2,18 Meter große NBA-Neuling über weite Strecken unauffällig. Und auch Nowitzki kam in seinem ersten Pflicht-Länderspiel seit 2011 nur langsam in Schwung, zeigte im Duell mit dem EM-Debütanten defensive Schwächen. Dank einer zwischenzeitlichen Leistungssteigerung war der Würzburger mit 15 Punkten wie auch NBA-Jungstar Dennis Schröder zumindest bester deutscher Werfer.

Nach einer Vorbereitung mit Höhen und Tiefen erlebte Nowitzki vor 12 500 Zuschauern in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof direkt zu Beginn eine Schrecksekunde. Der Isländer Pavel Ermolinskij fiel dem 37-Jährigen in die Beine, Nowitzki musste mit einer blutenden Wunde am rechten Oberarm kurzzeitig auf die Bank. Nach seiner Rückkehr aufs Parkett verwarf er völlig untypisch zwei Freiwürfe. Bei seinem ersten Treffer zum 20:14 kurz vor Ende des Auftaktviertels sprangen die deutschen Auswechselspieler dann geschlossen auf.

Insgesamt stimmte die Abstimmung jedoch noch nicht. Immer wieder nutzte beispielsweise Schröder seine immense Geschwindigkeit, leistete sich aber auch mehrfach Unkonzentriertheiten und Ballverluste. «Dennis ist derjenige, in den ich die meisten Erwartungen habe», erklärte Coach Fleming, warum er seinen Aufbauspieler einmal mit deutlichen Worten ermahnte. «In bestimmten Situationen coache ich ihn auf diese Art und Weise.»