NSA-Enthüller Greenwald ruft bei Hacker-Treffen zu Widerstand auf

Internet-Aktivisten rufen zum Widerstand gegen die ausufernde staatliche Überwachung auf. Der am Freitag in Hamburg eröffnete 30. Chaos Communication Congress steht im Zeichen der NSA-Enthüllungen.

Der per Video zugeschaltete Journalist und Snowden-Vertraute Glenn Greenwald forderte die Hacker auf, sich für den Schutz der Privatsphäre einzusetzen. «Letztlich wird der Kampf über die Freiheit des Internets … vor allem auf dem Schlachtfeld der Technologie geführt werden. Die NSA weiß das», sagte Greenwald von Rio de Janeiro aus.

Er traf damit den Ton anderer Redner. «Wir sind aus einem Alptraum aufgewacht in eine Realität, die noch schlimmer ist», sagte zuvor Auftaktredner Tim Pritlove. «Wir müssen das Internet neu erfinden, wir müssen das Internet neu denken.» Der Lebensraum der Szene werde durch die Überwachung wie durch ein Gift bedroht.

Die US-Regierung wolle den Informanten Edward Snowden für den Rest seines Lebens ins Gefängnis stecken, zeigte sich Greenwald am Freitagabend überzeugt. Die drohende harsche Strafe solle andere mögliche Informanten abschrecken: «Es ist eine effektive Taktik.»

Greenwald warb dafür, dass ein Land wie Deutschland, Frankreich oder Brasilien Snowden aufnehmen solle. «Es hat einen Preis, das zu tun», sagte er. «Aber Edward Snowden hat einen höheren Preis dafür bezahlt, Eure Rechte zu verteidigen, und er hat es dennoch getan.»

Greenwald spielte eine Schlüsselrolle bei den Berichten über die Überwachungsprogramme. Er ist einer der Journalisten, denen der Snowden die von ihm heruntergeladenen NSA-Unterlagen übergeben hatte. Greenwald kündigte eine Fortsetzung der Enthüllungen an: «Es wird noch viele weitere Berichte geben.»

Die USA fordern die Auslieferung von Snowden und werfen ihm Spionage und Diebstahl offizieller Dokumente vor. Auf Basis der Snowden-Dokumente wurden weitreichende Spionageprogramme der Geheimdienste aus den USA und Großbritannien aufgedeckt.

Die Teilnehmer des Kongresses erwarten bis Montag dutzende Vorträge, Projekte und Präsentationen. Dabei spielen die NSA-Enthüllungen immer wieder eine Rolle. So nahm der Linguistik-Professor Martin Haase am Freitag die Versuche deutscher Politiker aufs Korn, die Tragweite der Enthüllungen kleinzureden. Besonders die Aussagen des damalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla, die NSA-Affäre sei beendet, nahm er unter den Lachern der Zuhörer auseinander.

Die Organisatoren erwarten bis zu 8000 Teilnehmer. Das sei etwa ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr, sagte Frank Rieger vom Veranstalter Chaos Computer Club. «Der Snowden-Faktor spielt da schon eine Rolle.» Der CCC warnt seit Jahren vor ausufernder staatlicher Überwachung und schwindendem Datenschutz. Das Thema sei inzwischen auch in der breiten Bevölkerung angekommen. Pritlove kritisierte jedoch halb scherzhaft, dass die Warnungen der Netzaktivisten immer noch nicht ernst genommen würden.

Auf dem Kongress steht die Hackerszene auch vor der Frage, wie sie politisch und technisch auf die Erkenntnisse aus den Snowden-Dokumenten reagieren will. In mehreren Vorträgen soll es um Gegenmaßnahmen wie Verschlüsselung und Anonymisierung gehen. Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, soll wie Greenwald per Video auftreten.

Der Kongress ist gleichzeitig das Jubiläumstreffen des Clubs, er findet dieses Jahr zum 30. Mal statt. «Die Themen, um die es hier geht, werden immer wichtiger für die Gesellschaft», sagte Rieger. Auch daher sei das Interesse gestiegen. Viele Teilnehmer nennen das Treffen «30C3», das Kürzel steht für den 30. Chaos Communication Congress.