NSU-Prozess: Blut von Mordopfer an Mundlos' Hose gefunden

Ein Blutfleck auf einer Jogginghose des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos stammte von der ermordeten Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter. Das berichtete ein Kriminalbiologe des Bundeskriminalamtes im Münchner NSU-Prozess.

NSU-Prozess: Blut von Mordopfer an Mundlos' Hose gefunden
Frank Doebert NSU-Prozess: Blut von Mordopfer an Mundlos' Hose gefunden

Er habe die DNA des Blutflecks auf seine Erbsubstanz untersucht und berechnet, dass er mit einer Wahrscheinlichkeit von «eins zu 31 Billiarden» von Kiesewetter stamme, so der Kriminalbiologe. Die Hose hatten Polizisten nach der Explosion der Fluchtwohnung des NSU in Zwickau im November 2011 im Brandschutt gefunden. Sie war nach Erkenntnis der Ermittler in einem Zimmer zusammen mit anderen Kleidungsstücken aufbewahrt worden, die die mutmaßlichen Terroristen Mundlos und Uwe Böhnhardt bei Banküberfällen trugen.

Kiesewetter war das zehnte und letzte Mordopfer des NSU. Sie war im April 2007 in Heilbronn erschossen worden. Die Bundesanwaltschaft wirft dem «Nationalsozialistischen Untergrund» außerdem die Serie der rassistisch motivierten neun «Ceska-Morde» vor. Beate Zschäpe muss sich als mutmaßliche Mittäterin für die Taten verantworten.

Der Sachverständige stellte am Mittwoch mehrere seiner Gutachten vor, in denen die Auswertung von DNA-Spuren zusammengefasst sind. Demnach fanden sich an zahlreichen Waffen Spuren von Mundlos und Böhnhardt. An einer Pistole wies der Biologe zudem Spuren eines weiteren Mannes nach. Dessen Identität sei noch ungeklärt.

Andere Spuren stammten von der Familie von André E., der wegen Beihilfe mitangeklagt ist. An einem Paar Schuhe hätten sich Hinweise auf E.s Tochter und seine damalige Ehefrau gefunden. An anderen Gegenständen fanden sich auch Hinweise auf E. selber, die allerdings nicht eindeutig ihm zugeordnet werden könnten, weil er einen Zwillingsbruder hat. Bei eineiigen Zwillingen seien die DNA-Signaturen identisch, sagte der Experte. Zschäpes Spur fand sich auf dem Impfausweis ihrer Katze, der auf den Namen einer mutmaßlichen NSU-Unterstützerin ausgestellt war.

Die Zuverlässigkeit seiner Berechnungen bezeichnete er als hoch. Je nach Qualität der DNA-Proben ließen sich Wahrscheinlichkeiten im Bereich von Quadrillionen (eine Eins mit 24 Nullen) berechnen. Das Gericht hat für seine Befragung zwei Verhandlungstage angesetzt. Sie wird am Donnerstag fortgesetzt.