NSU-Prozess: Wie sich Zschäpe und Co. selber überwachten

Im Münchner NSU-Prozess hat das Gericht Videos betrachtet, die von Überwachungskameras aus der Fluchtwohnung der mutmaßlichen Rechtsterroristen an der Zwickauer Frühlingstraße stammen.

Nach Erkenntnis der Ermittler haben die drei mutmaßlichen Mitglieder des NSU-Trios sie selber installiert. Die Aufnahmen stammten aus den Jahren 2010 und 2011, sagte ein BKA-Ermittler im Zeugenstand.

Gefunden worden seien die Bilddateien auf Festplatten im Brandschutt der Wohnung. Die Datenträger hätten aber rekonstruiert werden können, sagte der Zeuge. Zschäpe muss sich in dem Prozess für die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die die Gruppe zwischen 2000 und 2007 begangen haben soll.

Eine der Videosequenzen zeigte, wie eine Frau mit zwei Kindern vor der Wohnungstür erscheint und mutmaßlich von Zschäpe mit Umarmung und Küsschen begrüßt wird. Die Bilder seien mit einer Kamera aufgezeichnet worden, die im Türspion installiert gewesen sei. Bei den Besuchern handele es sich offenbar um die Ehefrau und die Kinder des wegen Beihilfe mitangeklagten André E., sagte der Beamte. 

Unklar blieb die Identität eines weiteren Mannes, der in einer anderen Sequenz zunächst vor dem Eingang zu sehen war, dann die Wohnung betrat und gemeinsam mit Zschäpe wieder verließ. Eine andere Kamera zeichnete auf, wie beide in einem Auto wegfahren, und später wohl mit Einkäufen beladen in die Wohnung zurückkehren. «Zwei weitere Männer bleiben in der Wohnung und machen sauber», schilderte der Beamte seine Beobachtung. Bei ihnen handelte sich offenbar um Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Die letzte der gezeigten Sequenzen datierte vom 26. Oktober 2011, eine gute Woche vor dem Auffliegen der Gruppe. Darauf ist zu sehen, wie ein weißes Wohnmobil vor der Fluchtwohnung parkt. In einem solchen Fahrzeug hatten sich Mundlos und Böhnhardt mutmaßlich selber das Leben genommen, nachdem sie in Eisenach eine Sparkassenfiliale ausgeraubt haben sollen und von einem Passanten erkannt worden waren.

In dem ausgebrannten Wohnmobil hatte die Spurensicherung später Waffen und persönliche Gegenstände gefunden, darunter auch eine Sandale eines kleinen Mädchens. Bei der Auswertung von DNA-Spuren habe sich herausgestellt, dass der genetische Fingerabdruck dieses Kindes zwar vollständig erhalten sei, aber keiner bekannten Person zugeordnet werden könne, heißt es in einem Gutachten, das das Gericht am Dienstag verlas.

Nebenklägerin Antonia von der Behrens sagte, damit sei erwiesen, dass der NSU weitere Unterstützer gehabt haben müsse, deren Namen bis heute nicht bekannt seien.

Am Dienstag verlas das Gericht außerdem eine staatsanwaltliche Vernehmung des früheren V-Mannes «Tarif», der für das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) tätig war. Dieser warf der Behörde vor, seine Hinweise auf das NSU-Trio nicht ernst genommen zu haben. «Hätte das BfV [...] richtig reagiert, dann gäbe es heute zwölf Tote weniger». 

Für Diskussionen sorgte am Rande des Prozesses ein Bericht der «Berliner Zeitung», nach dem Zschäpe im November ihr Schweigen brechen und aussagen könnte. Ihr Verteidiger Mathias Grasel nannte den Bericht auf Anfrage «wilde Spekulation».