NSU-Prozess: Wohlleben will erste Fragen des Gerichts beantworten

Im Münchner NSU-Prozess will der wegen Beihilfe zum Mord angeklagte Ralf Wohlleben heute erste Fragen des Gerichts beantworten. Er hatte am Vortag sein jahrelanges Schweigen gebrochen und umfangreich ausgesagt.

NSU-Prozess: Wohlleben will erste Fragen des Gerichts beantworten
Andreas Gebert NSU-Prozess: Wohlleben will erste Fragen des Gerichts beantworten

Das Gericht kündigte an, ihn zu seinen persönlichen Verhältnissen zu befragen. Zur Sache werde es Fragen erst im neuen Jahr geben, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl.

In seiner Aussage hatte Wohlleben bestritten, die Mordwaffe für den «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) beschafft zu haben, und den Vorwurf der Beihilfe zum Mord zurückgewiesen. Hauptangeklagte in dem Prozess ist Beate Zschäpe. Sie ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an den Verbrechen der Gruppe vor, darunter zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge.

Offen ist, ob auch die drei Zeugen aufgerufen werden, die eigentlich für heute vorgesehen sind. Es handelt sich um Kriminalbeamte, die Beweisstücke aus den Hinterlassenschaften des NSU ausgewertet hatten.

Ebenfalls heute kommt der neue Untersuchungsausschuss des Bundestages zum NSU zu seiner ersten öffentlichen Sitzung zusammen. Zum Auftakt ihrer Arbeit wollen die Abgeordneten fünf Sachverständige anhören - darunter die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Angehörigen der NSU-Opfer, Barbara John, und die Journalistin Andrea Röpke, die sich seit Jahren mit der rechten Szene beschäftigt. Außerdem sollen Vertreter aus den Innenministerien der Länder berichten, inwieweit die Empfehlungen des ersten NSU-Ausschusses im Bundestag umgesetzt wurden.

Ein erster Untersuchungsausschuss im Bundestag hatte das Ermittlungsdesaster in dem Fall etwa anderthalb Jahre lang aufgearbeitet und im August 2013 seinen Abschlussbericht vorgelegt. Wegen vieler offener Fragen gibt es nun eine Neuauflage. Der Bundestag hatte den neuen Ausschuss Mitte November eingesetzt. Ende November folgte die konstituierende Sitzung.