NSU-Prozess: Zschäpe bestreitet Beteiligung am ersten NSU-Mord

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe hat ihr mehr als zweieinhalbjähriges Schweigen im Münchner NSU-Prozess gebrochen. Ihr Anwalt Mathias Grasel begann am Vormittag damit, eine Aussage der Hauptangeklagten zu verlesen.

Zschäpe hat bestritten, vom ersten Mord gewusst zu haben, den die Bundesanwaltschaft der Terrorgruppe NSU vorwirft. In der Aussage erinnert Beate Zschäpe außerdem an ihre schwere Kindheit in der damaligen DDR. Zschäpe hat zudem gestanden, vom ersten Raubüberfall ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewusst zu haben. Eine Beteiligung stritt sie jedoch ab.

Verteidiger Grasel hatte im Vorfeld eine umfassende Erklärung angekündigt: Zschäpes Aussage soll Angaben zu allen Anklagepunkten enthalten, die die Bundesanwaltschaft dem «Nationalsozialistischen Untergrund» (NSU) vorwirft, darunter zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde.

Zschäpe ließ sich zu Beginn der Verhandlung erstmals bereitwillig fotografieren. Kurz vor ihrer mit Spannung erwarteten Aussage wandte sie sich am Mittwochmorgen nicht - wie sonst - von den Kameras weg; sie lächelte.

Zschäpe will auch Fragen beantworten - aber nur des Gerichts und nur schriftlich und erst später. Grasel hat den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl um einen schriftlichen Fragenkatalog gebeten.

Auch Zschäpes neuer Anwalt Hermann Borchert nahm erstmals an einer NSU-Verhandlung teil. Er reichte den anderen Anwälten Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm im Oberlandesgericht München die Hand - ebenso seinem Kanzleipartner Mathias Grasel, der bereits seit dem Sommer Zschäpes vierter Pflichtverteidiger ist. Zschäpe hat beantragt, Borchert als weiteren Pflichtverteidiger zu bekommen. Derzeit ist er als Wahlverteidiger tätig.

Zschäpe muss sich als Mittäterin an sämtlichen Verbrechen verantworten, die dem NSU angelastet werden. Seit Prozessbeginn im Mai 2013 hatte sie beharrlich geschwiegen.

Bereits Stunden vor Beginn der Verhandlung warteten die ersten Besucher am frühen Morgen vor dem Eingang des Oberlandesgerichts. Es bildete sich eine Schlange von rund 150 Wartenden. Im Sitzungssaal 101 des Oberlandesgerichts ist allerdings nur Platz für rund 50 Zuschauer und 50 Journalisten.