Nur kurzes Aufatmen nach Sturmtief «Zeljko»

Herbstartige Stürme von «Z» bis «A» mitten im Sommer über Deutschland: Das Sturmtief «Zeljko» ist mit Orkanböen von der Nordsee kommend am Samstag über Deutschland und Nachbarländer gefegt und hat erhebliche Schäden angerichtet.

In den Niederlanden und der Slowakei starben zwei Menschen, viele weitere wurden verletzt. Der Wind entwurzelte Bäume und brach Äste ab, der Verkehr auf Schienen und Straßen kam regional zum Erliegen.

Und schon zieht das nächste Unwetter von Westen heran: Ausläufer des Tiefs «Andreas» nähern sich von der irischen Küste her. «Schon in der Nacht zum Montag frischt der Wind wieder merklich auf», sagte Sebastian Schappert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Offenbach.

WARNUNGEN: Der Deutsche Wetterdienst gab am Samstag Warnungen für Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen heraus. In der Nacht zum Sonntag sollten vor allem Niedersachsen und Schleswig-Holstein betroffen sein. Auf dem Brocken im Harz wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 113 Kilometer pro Stunde gemessen. Die Sturmlage sei für den Sommer «ungewöhnlich heftig», hieß es vom DWD in Offenbach. Die Menschen bereiteten sich auf das Unwetter vor. Nach Entwarnung und einer ersten Bilanz am Sonntag kam es in Deutschland weniger schlimm als erwartet.

AUSLAND: In den Niederlanden erschlug ein umstürzender Baum einen Autofahrer, so die Feuerwehr. In der Slowakei wurde nach dem Gottesdienst eine 39-jährige Gläubige von einem Blitz tödlich getroffen. Sieben Menschen seien schwer verletzt worden, einer davon lebensgefährlich, teilten die Rettungskräfte der Agentur TASR zufolge mit. In Holland waren Autobahnen gesperrt, der Zugverkehr blockiert. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol fielen Flüge aus. Nach Angaben des meteorologischen Dienstes war es einer der schwersten Sommerstürme der Niederlande überhaupt. An der Küste sei Windstärke zehn gemessen worden. Auch in Polen war der Verkehr beeinträchtigt.

INLAND: Feuerwehr und Rettungskräfte rückten zu vielen Hundert Einsätzen aus, allein in Nordrhein-Westfalen waren es mehr als 1100. Dort wurden zwölf Menschen verletzt, so die Polizei am Sonntag. In Baden-Württemberg erfasste ein Windstoß ein Motorrad und drückte die Maschine gegen einen Bordstein, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Blitze schlugen in Wohnhäuser ein. Starker Regen überflutete Keller. Aufatmen im Norden: «Wir hatten ein bisschen mehr Wasser als sonst - aber das war's», resümierte ein Sprecher der Polizei Flensburg.

BAHN: Vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kam der Bahnverkehr regional zum Erliegen, darunter der Abschnitt zwischen Hannover und Hannover-Lehrte: Damit war die direkte Verbindung von Hannover nach Berlin unterbrochen. Auch am Sonntagvormittag rollten die Züge auf drei Strecken noch nicht wieder nach Plan, wie die Bahn mitteilte. Instandsetzungsteams reparierten in der Nacht beschädigte Oberleitungen und schafften umgestürzte Bäume von den Gleisen.

FESTE: Zahlreiche Veranstaltungen im Freien wurden vorsorglich abgesagt. In Nordrhein-Westfalen stoppte die größte Kirmes am Rhein ihren Betrieb. In Dortmund fiel das Musikfestival «Juicy Beats» aus, in Köln die Sportveranstaltung «Women's Run», in Niedersachsen das Musikfestival «Wesermove» in Nordenham. Auch Konzerte wurden abgeblasen, so das von Jazzsänger Roger Cicero (45) in Gießen und der Auftritt des amerikanischen Popsängers Lionel Richie (66) in Mainz.

PROGNOSE: Mindestens bis Dienstag gibt es wegen «Andreas» in ganz Deutschland immer wieder starke bis stürmische Böen. Begleitet wird der Wind von einem Mix aus Sonne, Schauern und Gewittern.