«Nymphomaniac»: Lars von Triers Sexsucht-Drama

Ist das jetzt ein Porno oder nicht? Skandal-Regisseur Lars von Trier versetzt mit seinem neuen Werk «Nymphomaniac» einmal wieder die Filmwelt in Furore.

«Nymphomaniac»: Lars von Triers Sexsucht-Drama
Jens Noergaard Larsen «Nymphomaniac»: Lars von Triers Sexsucht-Drama

Das in gekürzter Fassung vier Stunden lange Epos um die intensive Lebensgeschichte einer Sexsüchtigen verführt Monate vor seiner Deutschlandpremiere (Volume I: 20. Februar, Volume II: 3. April) zu wilden Spekulationen.

Meisterlich hat das dänische Enfant terrible von Trier es im Vorfeld verstanden, die Medien mit Häppchen zu füttern und so einen gigantischen PR-Wirbel auszulösen. Auf einem Filmposter sind die Darsteller von Charlotte Gainsbourg über Shia LaBeouf bis Uma Thurman dabei zu sehen, wie sie mit lustverzerrtem Gesicht scheinbar einen Orgasmus haben. Die Botschaft: In diesem Film haben alle Sex, und frag nicht, wie. Ob das stimmt, wird die weihnachtliche Weltpremiere in Dänemark (Kinostart: 25. Dezember) enthüllen.

Der noch größere Aufreger aber: Es soll sich sogar um echten Sex handeln! «Sobald man den Akt des Eindringens sieht, sind wir das nicht», sagt Protagonistin Charlotte Gainsbourg, eine von Lars von Triers Lieblingsschauspielerinnen, die im Film die Figur «Joe» spielt. Auch ihre eigene Vagina stelle sie nicht zur Schau. «Wir haben künstliche Genitalien benutzt, die auf die Genitalien der Schauspieler aufgesetzt wurden», löst Produzentin Louise Vesth auf.

Scham durften die Schauspieler trotzdem nicht zum Set mitbringen. «Um 8 Uhr morgens eine Vagina-Prothese angelegt zu bekommen war ein bisschen peinlich», sagt Gainsbourg im Interview der Nachrichtenagentur dpa. Ein Porno sei der Film trotz etlicher expliziter Sexszenen, Blowjobs und Masturbation aber nicht, sondern vielmehr eine «Reise durch das Leben einer Frau, die übermäßig kritisch mit sich selbst ist», sagt die 42-Jährige.

Regisseur Lars von Trier, in seiner Branche gefürchtet, verrufen und bewundert, geben sich die Darsteller bedingungslos hin. «Wann immer er anruft, sage ich ja», erzählt der Schwede Stellan Skarsgård (Rolle: «Seligman») der Nachrichtenagentur dpa. Auch als der Däne ihm eröffnete, dass er keinen Sex haben würde, sondern nur einmal seinen «sehr schlaffen» Penis in die Kamera halten müsse, schreckte das den 62-Jährigen nicht ab.

Neben Skarsgård und Gainsbourg haben sich gleich eine ganze Reihe bekannter Gesichter zu «Nymphomaniac» hinreißen lassen. Christian Slater und Willem Dafoe sind etwa in Nebenrollen in dem Zweiteiler zu sehen, für den die Rock-Band Rammstein die Titelmusik liefert.

Auf die vier Stunden lange, «kurze» Version seines Films hat Lars von Trier sich zwar eingelassen. Im Laufe des nächsten Jahres, so hat seine Produktionsfirma angekündigt, will der Regisseur jedoch noch eine fünfeinhalb Stunden lange Fassung des Sexdramas herausbringen. Zunächst macht der Däne seinen Landsleuten aber mit dem kürzeren Film ein aufsehenerregendes Weihnachtsgeschenk.