Obama nach viereinhalb Jahren zu Besuch in Berlin

Mit einem gewaltigen Polizeiaufgebot rüstet sich Berlin für den Besuch von US-Präsident Barack Obama.

Obama nach viereinhalb Jahren zu Besuch in Berlin
Paul Mcerlane

Das Brandenburger Tor, wo Obama am Mittwoch eine mit Spannung erwartete Rede halten wird, wurde bereits weiträumig abgesperrt. Viele Straßen wurden zur Sperrzone erklärt. Offiziell waren bereits 3000 Polizisten im Einsatz. Am Mittwoch sollen nochmals mehrere tausend Beamte hinzukommen. Obama war 2008 auf Wahlkampf-Tour in Berlin, als Präsident aber noch nie.

Der 51-Jährige, der sich am Dienstag noch zum G8-Gipfel in Nordirland aufhielt, wurde am Abend in der deutschen Hauptstadt erwartet. Die Präsidentenmaschine Air Force One sollte gegen 20.25 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Tegel landen.

Abends standen keine offiziellen Termine auf dem Programm. Begleitet wird Obama von seiner Ehefrau Michelle sowie den beiden Töchtern Malia und Sasha.

Der politische Teil des Besuchs beginnt am Mittwoch mit einem Empfang bei Bundespräsident Joachim Gauck. Dann ist Obama mehrere Stunden mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammen, von der auch die Einladung kam.

Streng nach Protokoll handelt es sich dabei um keinen Staats-, sondern nur um einen Arbeitsbesuch. Höhepunkt soll die Rede am Brandenburger Tor sein - fast auf den Tag genau 50 Jahre nach dem legendären «Ich bin ein Berliner»-Auftritt von John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg.

Obama hatte bereits vor fünf Jahren vor dem Brandenburger Tor reden wollen. Damals war Merkel jedoch dagegen, dass der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten vor dem Berliner Wahrzeichen eine Wahlkampfrede hielt. Obama wich zur Siegessäule aus, wo er von 200 000 Menschen bejubelt wurde. In seiner ersten Amtszeit kam Obama dann zwar zweimal zu Besuch nach Deutschland, aber nie nach Berlin.

Inzwischen sehen sich Merkel und Obama regelmäßig. Auch beim G8-Gipfel in Nordirland saßen sie wieder zusammen. Beide Seiten hoben in den vergangenen Tagen immer wieder die Bedeutung der deutsch-amerikanischen Freundschaft hervor. Erwartet wird jedoch, dass auch kontroverse Themen zur Sprache kommen wie etwa das amerikanische Internet-Spähprogramm «Prism».

Außenminister Guido Westerwelle sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag): «Die Partnerschaft mit Amerika ist für uns Deutsche und Europäer unverzichtbar, um gemeinsam Frieden, Sicherheit und Wohlstand in Zeiten der Globalisierung zu wahren.» Der US-Botschafter in Deutschland, Phil Murphy, sagte im Fernsehsender Phoenix: «Die Bedeutung Deutschlands für die USA ist sehr groß.»
Zugleich versicherte er, dass sich Obama «auf keine Weise» in den Bundestagswahlkampf einmischen werde.

Nach seiner Rede vor dem Brandenburger Tor wird sich der US-Präsident auch mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück treffen. Bei einem festlichen Abendessen im Schloss Charlottenburg sind dann auch andere Oppositionspolitiker dabei.

Für die «First Lady» Michelle Obama gibt es ein eigenes Programm, an dem auch Merkels Mann Joachim Sauer teilnehmen wird. Geplant ist unter anderem ein Besuch von Mauer-Resten sowie der Holocaust-Gedenkstätte. Die Obamas wollen auch die ältere Halbschwester des Präsidenten, Auma Obama, treffen, die in Deutschland studiert hat.