Obama nennt Klinik-Angriff in Kundus eine «Tragödie»

Nach dem Beschuss eines Krankenhauses im nordafghanischen Kundus mit mindestens 19 Toten haben die USA eine Untersuchung des Zwischenfalls eingeleitet.

Obama nennt Klinik-Angriff in Kundus eine «Tragödie»
Msf Handout Obama nennt Klinik-Angriff in Kundus eine «Tragödie»

«Eine volle Untersuchung des tragischen Vorfalls ist in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange», teilte US-Verteidigungsminister Ashton Carter mit. US-Präsident Barack Obama sprach von einer «Tragödie».

Die Einrichtung der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) wurde offenbar versehentlich von US-Bomben getroffen. Nach MSF-Angaben starben mindestens 19 Menschen. Es handele sich um zwölf MSF-Mitarbeiter und sieben Patienten, darunter drei Kinder, sagte MSF-Sprecherin Christiane Winje am Samstagabend in Berlin. Weitere 37 Menschen wurden demnach verletzt. Die Organisation forderte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls.

Die Eichrichtung wird ausschließlich aus Spenden finanziert und behandelt jeden - unabhängig von Herkunft oder Religion. Sabiullah Mudschahid, Sprecher der islamistischen Taliban, sagte: «Keiner unserer Kämpfer war zum Zeitpunkt des Angriffs ein Patient der Klinik.»

Seit dem überraschenden Taliban-Angriff auf Kundus am Montag versuchen Regierungstruppen mit Hilfe der Nato, die Stadt wieder komplett unter Kontrolle zu bekommen.

Ärzte ohne Grenzen verurteilte den Vorfall aufs Schärfste: «Diese Attacke ist eine abscheuliche und schwere Verletzung internationalen humanitären Rechts», sagte MSF-Präsident Meinie Nicolai einer Mitteilung zufolge. «Wir können es nicht hinnehmen, dass dieser schreckliche Verlust von Menschenleben einfach als «Kollateralschaden» abgetan wird.» Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass die Bombardierung durch das Bündnis der internationalen Streitkräfte erfolgt sei.

US-Verteidigungsminister Carter erklärte, zum Zeitpunkt des Beschusses hätten US-Kräfte und Taliban-Kämpfer in der Nähe operiert. «Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme», hieß es in einer schriftlichen Mitteilung. Auch Obama bekundete den Hinterbliebenen sein Beileid. Die Ergebnisse der Untersuchung des Verteidigungsministeriums würden abgewartet, «ehe wir die Umstände dieser Tragödie abschließend beurteilen», sagte der US-Präsident laut einer Mitteilung des Weißen Hauses.

Der Sprecher der Nato-Mission in Afghanistan, Sernando Estreooa, erklärte: «Die US-Streitkräfte haben am 3. Oktober um 2.15 Uhr Ortszeit einen Luftangriff nahe der Einrichtung durchgeführt, wo einzelne Personen die Truppen bedrohten.» Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Brian Tribus, räumte ein, dabei könnte versehentlich eine nahe gelegene medizinische Einrichtung getroffen worden sein. Der Vorfall werde untersucht.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drang auf eine rasche, umfassende und unvoreingenommene Untersuchung. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg drückte seine Bestürzung aus.

Zum Zeitpunkt des Angriffs hielten sich knapp 200 Menschen in der Klinik auf. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden allen Konfliktparteien die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen vorsorglich mehrfach übermittelt, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten.

Die Organisation veröffentlichte Bilder von der in Flammen stehenden Klinik und den massiven Schäden. Auf einem Foto kümmern sich Ärzte in einem überfüllten kleinen Raum um verletzte Patienten und Mitarbeiter. «Die Bomben schlugen ein und dann hörten wir, wie die Maschine Kreise flog», wurde der Leiter der MSF-Mission in Nordafghanistan, Heman Nagarathnam, in einer Mitteilung zitiert. «Dann gab es eine Pause und dann schlugen noch mehr Bomben ein. Das passierte immer weiter.»