Obama und Castro wollen reden

Stadt (dpa) - Beginn einer neuen Ära: Nach einer demonstrativen Begrüßung per Handschlag beim Auftakt des Amerika- Gipfels in Panama wollen US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro auch zu einem echten direkten Gespräch zusammenkommen.

Wann die Unterredung am Samstag stattfindet, ist allerdings noch unklar. In Panama-Stadt feierten alle 35 Länder der Region zunächst die historische Zusammenkunft. Das sozialistische Kuba nimmt erstmals überhaupt an einem Amerika-Gipfel teil.

Medien beider Länder unterstrichen die historische Dimension der Begegnung zwischen Obama und Castro am Freitagabend, nachdem beide Staaten im Dezember überraschend eine Annäherung eingeleitet hatten. «Historic Meet and Greet» (Historisches Treffen und Begrüßen), kommentierte der Sender NBC den Händedruck der beiden Staatschefs.

«Obama und Castro schreiben Geschichte», titelte eine Reihe von US-Medien. «Einer der Höhepunkte des Tages war die Begrüßung zwischen Raúl und Obama», meinte auch das kubanische Parteiorgan «Granma» und erinnerte daran, dass sich die beiden Staatschefs schon im Dezember 2013 am Rande des Begräbnisses von Nelson Mandela in Südafrika begrüßt hatten.

Es sei das erste Mal, «dass die 35 unabhängigen Nationen unserer Hemisphäre am selben Tisch zusammenkommen», sagte der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza, zum Gipfelauftakt. Papst Franziskus schickte seine Glückwünsche.

Erstes Ziel der Normalisierung auf der Schiene zwischen Washington und Havanna ist die baldige Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen und die Eröffnung von Botschaften. Allerdings geht es bei der Botschaftseröffnung langsamer voran als zunächst geplant. Obama-Berater Ben Rhodes sagte, es gebe noch praktische Fragen.

Auch eine Entscheidung Washingtons, Kuba von der US-Terrorliste zu streichen, steht noch aus. Es gab aber auch Spekulationen, dass die USA einen solchen Schritt bereits in Panama bekanntgeben könnten.

Seit der kubanischen Revolution und der folgenden Enteignung amerikanischer Firmen vor mehr als 50 Jahren unterhalten Havanna und Washington keine diplomatischen Beziehungen. Doch trotz massiver Sanktionen sowie Mordversuchen des US-Geheimdienstes hielt sich Revolutionsführer Fidel Castro an der Macht. Erst 2006 übergab der heute 88-Jährige die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl (83).  

Unklar ist, wann die USA ihre Sanktionen aufheben werden, mit der sie das sozialistische Regime über Jahrzehnte auszuhungern versuchten.