Obama und Merkel auf Hannover Messe

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben zum Auftakt der Hannover Messe die Wirtschaftsstärke und Innovationskraft ihrer Länder betont.

Obama und Merkel auf Hannover Messe
Julian Stratenschulte Obama und Merkel auf Hannover Messe

«Sie sehen hier Firmen, die eine Vorreiterrolle spielen, die ändern, wie wir leben, arbeiten und lernen», sagte Obama bei einem gemeinsamen Messerundgang in der amerikanischen Halle.

Merkel sagte, in diesem Jahr werde man in Hannover «die Weltspitze in geballter Form» erleben. Deutsche und amerikanische Firmen könnten voneinander lernen. Es sei an ihnen, «gemeinsam Innovation und Neuland zu gestalten».

Merkel und Obama hatten die größte Industriemesse der Welt am Sonntagabend eröffnet. Die USA sind in diesem Jahr Partnerland. Erstmals besucht ein US-Präsident die Messe. Er informierte sich unter anderem anderem über Sensortechnik und digitalisierte Fertigungstechnik.

Nach dem Messerundgang will Obama eine Rede halten, die in seinem Umfeld als Schwerpunkt des Besuchs in Hannover klassifiziert wird. Am Nachmittag steht ein US-Europa-Minigipfel an: Dann stoßen Großbritanniens Premier David Cameron, Frankreichs Präsident François Hollande und Italiens Regierungschef Matteo Renzi zu Merkel und Obama hinzu. Bei dem Gespräch werden die Terrorbekämpfung sowie die Krisen in Syrien und Libyen Thema sein.

Obama war am Sonntagmittag aus London kommend in Hannover gelandet und von Merkel im Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren empfangen worden. Beide sprachen dann knapp zwei Stunden miteinander. Nach der Messeeröffnung kamen die beiden zu einem Abendessen mit Spitzenmanagern zusammen. Dabei ging es unter anderem um die Rolle der Wirtschaft bei der Lösung der Flüchtlingskrise und um Überzeugungsarbeit für das Freihandelsabkommen TTIP.

Der Widerstand gegen das Handelsabkommen ist nicht nur, aber besonders in Deutschland groß. Rund um den Obama-Besuch hatte es am Wochenende in Hannover Proteste dagegen gegeben. Bei der größten Veranstaltung am Samstag waren laut Polizei etwa 35 000 Menschen auf die Straßen gegangen. Sie befürchten eine Senkung von Standards und kritisieren mangelnde Transparenz bei den Verhandlungen.

Obama und Merkel warben eindringlich für das Abkommen. Er setze darauf, dass bis zum Ende seiner Amtszeit zumindest die Inhalte soweit vereinbart seien, dass die Parlamente sich damit befassen könnten, sagte Obama. In diesem Jahr werde es aber keinen endgültigen Beschluss darüber mehr geben.

Auch Merkel sprach sich für einen schnellen Abschluss aus. Ein Freihandelsabkommen sei aus europäischer Perspektive «absolut hilfreich», um die Wirtschaft in Europa besser wachsen zu lassen.

Obama hält sich zum fünften Mal als US-Präsident in Deutschland auf, voraussichtlich auch zum letzten Mal. Im November wird in den USA ein neuer Präsident gewählt, im Januar scheidet Obama aus dem Amt. Am späten Montagnachmittag will er wieder in Richtung Heimat starten.