Obdachlosenzahl nach Taifun erschreckt Helfer

Der Taifun hat unzählige Philippiner obdachlos gemacht. Auch mehr als eine Woche nach der Katastrophe warten viele auf Hilfe. Präsident Aquino ruft in der zerstörten Region zum Anpacken auf. Bei Tacloban soll eine neue Siedlung entstehen.

Fast zehn Tage nach der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen warten Hunderttausende nach wie vor auf Nahrung, sauberes Wasser und ein Dach über dem Kopf. Die internationale Hilfe läuft auf Hochtouren, am Sonntag versprach auch Staatschef Benigno Aquino den Notleidenden tatkräftige Unterstützung beim Wiederaufbau. Bei einem Besuch im Katastrophengebiet betonte der in die Kritik geratene Präsident, seine Regierung werde «alle Hebel in Bewegung setzten», damit die Menschen das Nötige bekämen. Am Wochenende wurde die Zahl der Vertriebenen deutlich nach oben korrigiert: Fast vier Millionen Philippiner hatten ihre Häuser verlassen müssen.

Trotz der Hilfslieferungen und Spenden aus aller Welt ist die Lage für unzählige Menschen noch immer prekär. Viele campierten hungernd, durstig und ohne sanitäre Anlagen im Freien. Immerhin hat sich die Versorgungslage verglichen mit den ersten Tagen deutlich verbessert. «Die Verteilung geht jetzt schneller, weil wir mehr Freiwillige haben», sagte der Bürgermeister der Stadt Tacloban, Alfred Romualdez. Die Armee hatte zusätzlich mehr als 50 Lastwagen geschickt.

Taifun «Haiyan» hatte am 8. November Sturmfluten mit meterhohen Wellen ausgelöst, die Hunderte Meter ins Landesinnere rollten und Häuser, Autos und Bäume fortrissen. Mindestens 3681 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben - die Zahl dürfte aber steigen.

Manche Überlebende könnten ihre beschädigten Häuser reparieren. Der Leiter von Caritas International, Oliver Müller, betonte aber: «Die absolute Zahl der Obdachlosen ist erschreckend.» Sein Hilfswerk werde 4000 Notbehausungen auf den Weg bringen. Das Hilfspaket enthalte Werkzeug, Zeltplanen und Stangen, die auch auf schwierigem Terrain leicht errichtet werden können. Nahe Tacloban wird schon an einer neuen Siedlung mit Häusern für Tausende Obdachlose gebaut. «Die Menschen wollen ihr Leben zurück, sie wollen nicht von Hilfspaketen leben», sagte der Bürgermeister von Guiuan auf der Insel Samar, Christopher Sheen Gonzales, beim Besuch des Präsidenten. «Wir sind fest entschlossen, die Stadt wieder aufzubauen.»

Staatschef Aquino rief den Betroffenen zu: «Aber ihr müsst auch selbst beim Wiederaufbau anpacken, dann geht die Sache schneller.» Die Behörden boten Jobs bei den Aufräumarbeiten an, damit die Obdachlosen Geld verdienen können. Sozialministerin Corazon Soliman rief dazu auf, Schippen, Nägel, Hämmer und Sägen zu spenden.

Die EU erhöhte ihre Hilfsleistung um weitere sieben Millionen auf insgesamt 20 Millionen Euro. Die staatlichen Spenden aus dem Ausland beliefen sich nach Angaben der Regierung vom Wochenende auf gut 110 Millionen Euro.

Deutschland stocke seine Hilfen um zwei Millionen auf insgesamt 6,5 Millionen Euro auf, teilte das Auswärtige Amt mit. Noch wesentlich mehr stellt Großbritannien bereit: Wie Premierminister David Cameron ankündigte, werde seine Regierung die Zahlungen an UN-Organisationen und das Rote Kreuz auf umgerechnet fast 60 Millionen Euro erhöhen.