Oberhaupt der Muslimbrüder verhaftet

Die neuen ägyptischen Machthaber haben zu einem weiteren Schlag gegen die Islamisten ausgeholt. Polizisten verhafteten das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, am Montag in seiner Wohnung.

Die Islamisten-Bewegung will ihren Kampf trotzdem fortsetzen: Ein Sprecher der Bewegung erklärte am Dienstag, Badia sei letztlich auch nur eines von vielen Mitgliedern der Bruderschaft, die tief in der ägyptischen Gesellschaft verankert sei. Die Kampagne der Bewegung gegen den «Militärputsch» werde weitergehen, sagte Ahmed Aref.

Badie wurde am Montag in der Nähe des von der Polizei geräumten Protestlagers der Islamisten an der Rabea-al-Adawija-Moschee im Kairoer Stadtteil Nasr-City verhaftet worden. Ihm wird vorgeworfen, er habe zur Gewalt aufgerufen. Seit der Räumung der Protestlager in Kairo am vergangenen Mittwoch sind bereits mehrere Dutzend Führungskader der Muslimbruderschaft verhaftet worden. Gleichzeitig wurden Hunderte Anhänger der Bewegung festgenommen, die für die Rückkehr von Präsident Mohammed Mursi demonstriert hatten.

Mehrere westliche Regierungen hatten die neue ägyptische Führung scharf kritisiert, nachdem Anschläge, Polizeigewalt und Straßenkämpfe in den vergangenen Tagen mehr als 800 Tote gefordert hatten. Sie mahnen eine Versöhnung der Übergangsregierung mit den vom Militär entmachteten Muslimbrüdern an. Deutschland und einige andere europäische Staaten strichen Hilfsprojekte, um den Druck zu erhöhen.

Die USA sollen zudem Medienberichten zufolge bereits einen Teil ihrer milliardenschweren Militärhilfe für Ägypten vorübergehend auf Eis gelegt haben. Die Regierung von Präsident Barack Obama wolle einige der Mittel «umprogrammieren», meldete der Nachrichtensender CNN in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf das Büro des demokratischen Senators Patrick Leahy.

Der ägyptische Militärchef Abdelfattah al-Sisi verlässt sich derweil auf Saudi-Arabien: Die Zeitung «Al-Sharq Al-Awsat» meldete am Dienstag, Al-Sisi habe in einem Telefon mit dem saudischen Kronprinzen und Verteidigungsminister, Prinz Salman bin Abdelasis Al-Saud, seinen Dank für die Unterstützung des Königreichs ausgedrückt.

Mitglieder und Sympathisanten der Muslimbruderschaft starteten nach der Verhaftung von Badia eine Kampagne im Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Motto «Ich bin der Murschid». «Murschid» ist der Titel des Oberhauptes der Muslimbrüder. Die Gegner der islamistischen Regierung hatten während ihrer Protestaktionen, die am 30. Juni in einer Massenkundgebung mit Millionen von Teilnehmern endete, «Nieder mit der Herrschaft des Murschid» gerufen, weil Badia aus ihrer Sicht der Strippenzieher war und Mursi seine Marionette.