Odenwaldschule beugt sich: Organisatorischer Umbau beschlossen

Die krisengeschüttelte Odenwaldschule hat sich dem Druck der Aufsichtsbehörden gebeugt und einen organisatorischen Umbau beschlossen. Sie entschied, ihre Rechtsform zügig zu ändern und künftig kein eingetragener Verein mehr zu sein.

Gegründet werden soll eine gemeinnützige Betriebs-GmbH, wie der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert, mitteilte. Ihr alleiniger Gesellschafter wird eine ebenfalls neue Stiftung. Der Trägerverein wird zu einem Förderverein.

Bei rund 30 Stimmen habe es in der Sitzung in Heppenheim kein Gegenvotum und eine Enthaltung gegeben, sagte Herbert. Die Schulsprecherin nannte den Beschluss eine «wichtige Weichenstellung».

Die Stiftung soll Geldgeber gewinnen. Die Schule will in finanziell ruhigeres Fahrwasser kommen. Nach einem Missbrauchsskandal ist die Schülerzahl des einstigen Vorzeige-Internats auf etwas über 140 deutlich zurückgegangen. Die Aufsichtsbehörden müssen dem Umbau noch zustimmen.

In der Odenwaldschule war 2010 ein lange vertuschter sexueller Missbrauch von Schülern bekanntgeworden. Laut einem Bericht gab es mindestens 132 Opfer, Opfer-Vertreter gehen von wesentlich mehr aus. Es folgten Streit, Entlassungen und Geldprobleme. Die vor mehr als 100 Jahren gegründete Odenwaldschule zählte früher zu den begehrtesten Reformschulen in Deutschland. Viele Schüler wurden später bekannte Persönlichkeiten, etwa der Schriftsteller Klaus Mann.