OECD sieht Deutschland auf Wachstumskurs

Die OECD sieht Deutschland auf eindeutigem Wachstumskurs. Reallohnzuwächse und die sinkende Arbeitslosigkeit dürften den privaten Konsum ankurbeln, heißt es in der am Dienstag in Paris veröffentlichten Herbstprognose der Wirtschaftsorganisation.

OECD sieht Deutschland auf Wachstumskurs
Christian Charisius OECD sieht Deutschland auf Wachstumskurs

Zudem könnten die geringen Zinssätze zu mehr Investitionen führen. Nach einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,5 Prozent im laufenden Jahr rechnet die OECD für 2014 mit einem Plus von 1,7 Prozent und für 2015 sogar mit einem Wachstum von 2,0 Prozent. «Das Wirtschaftswachstum in Deutschland gewinnt an Fahrt», sagte OECD-Deutschland-Experte Andrés Fuentes.

Dass die Prognose für 2014 im Frühjahresausblick ursprünglich noch um 0,2 Prozentpunkte höher gelegen hatte, begründete Fuentes vor allem mit den inzwischen ungünstigeren Aussichten für aufstrebende Volkswirtschaften wie Indien und Brasilien. Sie sind für die deutschen Unternehmen wichtige Exportländer außerhalb Europas. «Das Wirtschaftswachstum dürfte damit in den nächsten zwei Jahren stärker als bislang von der Erholung im Euroraum abhängen», erklärte er.

Dies sei ein Risiko - auch für die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen. Aktuell rechnen die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in der Bundesrepublik mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenquote nach OECD-Standard: Sie könnte von zuletzt 5,5 auf 5,2 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Die Debatte um mögliche negative Folgen der deutschen Exportstärke für andere EU-Staaten bewerteten die OECD-Experten als übertrieben. «Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss hat nicht verhindert, dass wir deutliche Fortschritte innerhalb der Europäischen Union und im Euroraum sehen», meinte der für Europa zuständige Referatsleiter Eckhard Wurzel. Als Beispiel nannte er Verbesserungen im Handelsergebnis von Krisenländern wie Irland, Portugal oder Spanien.

Nach der OECD-Prognose wird der deutsche Leistungsbilanzüberschuss ohnehin bis 2015 von aktuell etwa 7 auf 5,6 Prozent des BIP sinken. Damit würde der europäische Referenzwert von 6 Prozent eingehalten.

Die angekündigte vertiefte Untersuchung der deutschen Werte durch die EU-Kommission wollte Wurzel nicht als Kritik gewertet sehen. «Sie hat gesagt, dass sie ein Auge darauf haben wird, welche Auswirkungen der deutsche Leistungsbilanzüberschuss hat. (...) Wir werden sehen, was die Ergebnisse sind», sagte er.

Verbesserungsbedarf sieht die OECD in Deutschland derzeit vor allem im Finanz- und Dienstleistungssektor. «Sorgen macht uns der hohe Verschuldungsgrad der Großbanken gemessen am Eigenkapital relativ zur Bilanzsumme. Hier glauben wir, dass die Wirtschaftspolitik regulatorisch eingreifen sollte», sagte Fuentes.

Im Dienstleistungsbereich könne dagegen eine weitere Deregulierung den Wettbewerb stärken. Eine steigende Inlandsnachfrage würde dann auch zum Abbau des Leistungsbilanzüberschusses beitragen. Deutschland dürfe sich nicht darauf ausruhen, dass es bisher vergleichsweise wenig von der Euro-Schuldenkrise getroffen worden sei, sagte Wurzel.

Global gesehen rechnet die OECD in ihren Mitgliedstaaten 2014 und 2015 mit einer Belebung. Auch der Gesamtausblick sei aber nicht so positiv wie noch im Frühjahr, sagte Generalsekretär Angel Gurría. Als Grund nannte er Spannungen an den Märkten in einigen aufstrebenden Volkswirtschaften in Verbindung mit drastischen Kapitalabflüssen.

Zudem hätten zwei Ereignisse in den USA das Vertrauen in die Märkte erschüttert. Es habe zum einen unerwartet starke Reaktionen auf die Diskussion über eine Drosselung der Wertpapierankäufe durch die Notenbank Fed gegeben, erklärte Gurría. Zum anderen sei es mit Blick auf die gesetzlich verankerte Schuldenobergrenze fast zu einer Krisensituation mit «potenziell katastrophalen Folgen» gekommen.