OECD: Wachstumsaussichten verdüstern sich

Die Konjunkturflaute in wichtigen Schwellenländern zieht das globale Wachstum nach unten. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet deshalb für das kommende Jahr nur noch mit einem weltweiten Wirtschaftsplus von 3,3 Prozent. 

Das ist ein halber Prozentpunkt weniger als bislang von den Experten erwartet. «Die globalen Wachstumsaussichten haben sich wieder verdunkelt», sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría in Paris.

Sorgen bereiten vor allem die schwächere Konjunktur in China sowie die Rezessionen in Russland und Brasilien. Der Bericht spricht von einer «großen globalen Unsicherheitsquelle». Zudem habe der Welthandel deutlich an Fahrt verloren. Handels-Wachstumsraten wie in diesem Jahr seien in der Vergangenheit mit weltweiten Rezessionen verbunden gewesen, warnte Chefökonomin Catherine Mann.

Für Deutschland rechnet die Organisation mit einem «robusten Wachstum» von 1,8 Prozent in diesem Jahr und 1,9 Prozent in 2016, das vor allem von der Binnennachfrage getragen wird. Die Experten sind damit ganz leicht optimistischer als die Bundesregierung, wobei ihr Ausblick für das kommende Jahr im Juni noch deutlich besser ausgefallen war.

Im internationalen Vergleich gibt die OECD im Gegensatz zur Bundesregierung Prognosewerte an, die um die Zahl der Arbeitstage bereinigt sind. Danach erwartet die OECD in Deutschland ein bereinigtes Wachstum von 1,5 (2015) und 1,8 Prozent (2016).

Die OECD geht trotz der Schwierigkeiten davon aus, dass der Welt-Konjunkturmotor langsam an Fahrt gewinnt, das Plus in diesem Jahr dürfte mit 2,9 Prozent allerdings enttäuschend ausfallen. «Das ist das schwächste Wachstum seit 2009», sagte Gurría. «Wir erwarten eine gewisse Aufwärtsbewegung im Jahr 2016, die auch in 2017 stabil ist», erläuterte Christian Kastrop, Direktor für wirtschaftspolitische Studien - mit entsprechend positivem Trend auf dem Arbeitsmarkt. Die Erholung sei aber «außerordentlich mühsam».

Gurría warb angesichts des stotternden Konjunkturmotors für mehr Strukturreformen, das Reformtempo in der Welt habe sich in den vergangenen Jahren verlangsamt. Auch Deutschland ist dabei nicht außen vor, die OECD-Experten wünschen sich beispielsweise im Bildungssystem mehr Unterstützung für Kinder aus sozial schwachen Familien. Die Eurozone ist weiter ein Sorgenkind, weil viel zu wenig investiert werde.

Die aktuelle Flüchtlingssituation in Europa hält die OECD wirtschaftlich auf lange Sicht für positiv. «Langfristig ist das in jedem Fall ein Gewinn für diese Länder, unter der Maßgabe, dass es gelingt, diese Zuwanderung schnell in den Arbeitsmarkt zu bringen», sagte Deutschland-Experte Andrés Fuentes. Kurzfristig verursache die Unterbringung natürlich Kosten für den Staat. Diese kämen aber der Wirtschaft zugute: In Europa sei in den kommenden zwei Jahren so ein Nachfrageschub um 0,1 bis 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erwarten.