Offenes Rennen bei Präsidentenwahl in Brasilien

Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff ist zwar als Favoritin in die Stichwahl um das Präsidentenamt gegangen. Dennoch muss sie stark um einen Wahlsieg zittern.

Offenes Rennen bei Präsidentenwahl in Brasilien
Neco Varella Offenes Rennen bei Präsidentenwahl in Brasilien

Ihr Gegenkandidat aus dem Mitte-Rechts-Lager, Aécio Neves, lag zuletzt nach Umfragen in der Wählergunst nur knapp hinter der Amtsinhaberin. Die Stichwahl gilt als eines der knappsten Wahlrennen seit Jahrzehnten im fünftgrößten Land der Welt.

Die Wahllokale sollen am Sonntag gegen 20.00 Uhr MEZ schließen und das Ergebnis noch in der Nacht zum Montag vorliegen. In seiner letzten Umfrage sah das Meinungsforschungsinstitut Datafolha die linke Politikerin Rousseff am Samstagabend bei 52 Prozent der gültigen Stimmen. Neves kam danach auf 48 Prozent. Das Institut IBOPE sah es ähnlich. Dort kam die 66-jährige Rousseff auf 53 und ihr zwölf Jahre jüngerer Herausforderer auf 47 Prozent.

Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika und Südamerikas wirtschaftliche Lokomotive. Allerdings kämpft das rohstoffreiche Land derzeit gegen ein schwaches Wirtschaftswachstum und eine hohe Inflation. Im Wahlkampf spielten Wirtschaftsthemen eine zentrale Rolle.

Der Mitte-Rechts-Kandidat Neves setzte auf ein liberaleres Wirtschaftsmodell und präsentierte sich in den vergangenen Wochen sich als «Kandidat des Wandels». Rousseff verwies dagegen auf die bereits erreichten Verbesserungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Sie will diese Politik fortsetzen. Mit einem neuen Mandat bis 2018 wäre ihre PT dann insgesamt 16 Jahre an der Macht.

Der Wahlkampf der seit 1. Januar 2011 regierenden Rousseff wurde auf den letzten Metern von einem massiven Korruptionsskandal um den staatlich kontrollierten Öl-Multi Petrobras überschattet. Auch die regierende Arbeiterpartei (PT) soll jahrelang illegal Schmiergelder von dem Konzern erhalten haben. Die PT-Politikerin wies vehement Behauptungen zurück, sie habe von dem Korruptionssystem gewusst.

Rousseff gab am Sonntag ihre Stimme in Porto Alegre ab. «Ich bin sicher, dass Brasilien eine der größten demokratischen Nationen der Welt ist und bleiben wird», sagte sie. Die rund 143 Millionen Wahlberechtigten sind auch aufgerufen, in Stichwahlen über Senatoren- und Gouverneursposten zu bestimmen. Begleitet werden die Wahlen von starken Sicherheitsvorkehrungen. Landesweit sind Zehntausende Polizisten im Einsatz.