Anderer Kontinent: Arten gleichen sich an

Kaninchen in Australien oder die pazifische Auster im Wattenmeer - heute kommen viele Tiere und Pflanzen in Regionen vor, wo sie einst nicht heimisch waren. Menschen haben sie dort bewusst ausgesetzt oder versehentlich eingeschleppt.

Anderer Kontinent: Arten gleichen sich an
César Capinha Anderer Kontinent: Arten gleichen sich an

Dadurch setzen sie die vor Millionen von Jahren entstandenen Verbreitungsmuster außer Kraft, wie Forscher aus Deutschland, Portugal und Österreich im Fachmagazin «Science» berichten. Sie haben herausgefunden, dass fast ausschließlich das Klima über die Ansiedlung neuer Arten bestimmt.

Ozeane und hohe Gebirge können Tiere und Pflanzen kaum überwinden. Deshalb entwickelten sich auf weit voneinander entfernten Inseln und Kontinenten Arten, die nur dort vorkommen. Beispiele dafür sind der Kiwi in Neuseeland oder die Beuteltiere in Australien.

«Der Mensch hat diese Grenzen eingerissen», sagte der Umweltwissenschaftler Hanno Seebens von der Universität Oldenburg (Niedersachsen). Gemeinsam mit vier Kollegen hat er in einer Studie den Angaben zufolge erstmals nachgewiesen, dass Handel und Tourismus die weltweite Verbreitung von Arten grundlegend verändert haben.

Das Team untersuchte am Beispiel von 175 Landschnecken-Arten, wie sich diese in 56 Ländern und Regionen durch den Menschen verbreitet haben. Er und seine Kollegen wollten vor allem wissen, «wie sich die Ähnlichkeit zwischen den Artengemeinschaften verändert hat», so Henrique Miguel Pereira vom Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Halle-Wittenberg.

«Das Ergebnis hat selbst uns überrascht», sagte Seebens. Die Verbreitung orientiere sich weltweit an zwei Regionen. «Innerhalb der tropischen Zonen sind sich die Artengemeinschaften sehr ähnlich geworden und innerhalb der gemäßigten Zonen auch.»

In ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler verglichen, welche Schneckenarten vor der Entdeckung Amerikas in den jeweiligen Gegenden vorkamen und welche dort heute existieren. «Man weiß nicht genau, wie der Status quo vor 1500 war», beschreibt Seebens einen generellen Knackpunkt in der Invasionsökologie. «Wir sind in der Studie davon ausgegangen, dass Experten vor Ort wissen, welche Arten heimisch sind.» Zusätzlich haben die Forscher Datenbanken und Publikationen ausgewertet.

Die Ergebnisse lassen sich nach Ansicht von Seebens und seinen Kollegen auch auf andere Organismen wie Pflanzen und Säugetiere übertragen. «Die neuen Verbreitungsmuster sind noch nicht bei allen Arten erkennbar, vermutlich weil sie bei ihnen weniger fortgeschritten sind.» Weitere Studien dazu sollen folgen.

Die Forscher erwarten, dass sich die Artengemeinschaften in Ländern mit einem ähnlichen Klima und intensiven Handelsbeziehungen stärker angleichen werden. In ihrer Studie warnen sie vor einem Verlust der Biodiversität und fordern einen besseren Artenschutz.