Online-Musikdienst Soundcloud schließt Lizenz-Deal mit Warner Music

Der Berliner Online-Musikdienst Soundcloud hat den ersten großen Musikkonzern ins Boot geholt. Die Warner Music Group wird dank eines Lizenzabkommens Gebühren kassieren, wenn Songs von Künstlern des Labels abgespielt werden.

Die Vereinbarung deckt sowohl das werbefinanzierte Soundcloud-Angebot ab, als auch einen Abo-Dienst, der in der ersten Jahreshälfte 2015 eingeführt werden soll, wie Warner Music am späten Dienstag mitteilte.

Für Soundcloud ist das ein Durchbruch auf dem Weg zu einem langfristigen Geschäftsmodell. Bei der Plattform, die als professionelles Angebot für Musiker startete, kann inzwischen jeder Musik oder andere Tonaufnahmen hochladen.

Soundcloud ist bisher grundsätzlich kostenlos für Hörer und hat nach eigenen Angaben rund 175 Millionen Nutzer im Monat. Musiker, die in großen Mengen Songs hochladen wollen, werden zur Kasse gebeten. Auch nach dem Start des Abo-Dienstes werde Soundcloud einen Gratis-Dienst behalten, sagte Firmenchef Alexander Ljung dem «Wall Street Journal».

Soundcloud gehört zu den international bekanntesten Berliner Start-ups. Die 2008 gestartete Plattform ließ sich aber lange Zeit mit dem Geldverdienen. In diesem Jahr soll der Kurznachrichtendienst Twitter eine Übernahme von Soundcloud erwogen haben, es kam aber nichts zustande. In einer Finanzierungsrunde Anfang des Jahres wurde Soundcloud laut Medienberichten mit insgesamt 700 Millionen Dollar bewertet.

Warner Music mit Künstlern wie Bruno Mars oder Kylie Minogue ist einer der drei verbliebenen großen Musik-Konzerne neben dem Marktführer Universal Music und Sony Music. Die Firma gehört dem US-Milliardär Len Blavatnik. Sie übernahm im vergangenen Jahr mehrere Label des britischen Rivalen EMI. Warner Music sucht den Weg ins Internet-Geschäft und schloss dafür unter anderem bereits eine Partnerschaft mit dem Musik-Erkennungsdienst Shazam ab.

Warner Music steige im Rahmen des Deals auch mit einem kleinen Anteil bei Soundcloud ein, berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf informierte Personen. Die anderen beiden Schwergewichte der Musikbranche seien einer Einigung mit Soundcloud noch nicht nähergekommen.

Der Deal mit Warner Music werde die Einnahmen von Soundcloud deutlich steigern, zeigte sich Mitgründer Eric Wahlforss in einem Interview des Senders Bloomberg TV überzeugt. Seit August teilt Soundcloud die Werbeerlöse mit inzwischen rund 40 Partnern.

Mit einem Abo-Modell könnte Soundcloud stärker zum Wettbewerber von Streaming-Diensten wie Spotify werden. Solche Angebote, bei denen für eine monatliche Gebühr Millionen Songs aus dem Internet abgerufen werden können, sind derzeit auf dem Vormarsch. Spotify hat nach bisherigen Angaben rund zehn Millionen zahlende Kunden.