Opel bleibt im Ruhrgebiet: Kompromiss mit Belegschaft gefunden

Nach jahrelangem Streit um die geplante Schließung des Opel-Werkes in Bochum hat der Autobauer einen Kompromiss mit den Arbeitnehmervertretern gefunden.

Opel bleibt im Ruhrgebiet: Kompromiss mit Belegschaft gefunden
Federico Gambarini Opel bleibt im Ruhrgebiet: Kompromiss mit Belegschaft gefunden

Es bleibt beim Aus für die Autoproduktion Ende 2014, dafür wird aber das Opel-Warenverteilzentrum gegen die ursprüngliche Planung mit kräftigen Investitionen von 60 Millionen Euro dauerhaft erhalten und um 265 auf 700 Stellen ausgebaut. Opel bleibt also in der Ruhrgebietsstadt.

Mindestens 200 der jetzt noch rund 3300 Bochumer Opelaner sollen außerdem Angebote in anderen Werken erhalten. Es gibt eine zweijährige Jobbörse, die möglicherweise um ein Jahr verlängert wird und Abfindungsregelungen für ausscheidende Mitarbeiter, die ein Opel-Sprecher als «sehr fair und attraktiv» bezeichnete. Entsprechende Eckpunkte vereinbarten Vertreter von Opel und der IG Metall am Sonntag. Sie sollen in den kommenden Tagen zu einem Tarifvertrag ausgearbeitet werden, wie beide Seiten am Montag mitteilten.

Zu den Gesamtkosten des Pakets wollte sich der Opel-Sprecher nicht äußern. Sie liegen nach Einschätzung von Fachleuten aber klar im dreistelligen Bereich. Der IG Metall Bezirksleiter Knut Giesler sagte: «Es ist bitter für die Menschen, dass über Ende 2014 hinaus in Bochum keine Fahrzeuge mehr gebaut werden.» Dies sei mit dem Sozialtarifvertrag nicht mehr zu verhindern gewesen. In den Verhandlungen sei aber ein Paket erreicht worden, das unter anderem auch eine «Altersbrücke» für Mitarbeiter umfasse. Opelaner des Jahrgangs 1959 und älter erhalten damit besondere Angebote zur Überbrückung bis zum Ruhestand.

Die als kämpferisch bekannten Bochumer Opel-Beschäftigten hatten im Frühjahr als einzige in Deutschland den vorgeschlagenen Sanierungstarifvertrag des Unternehmens abgelehnt. Sie wollten sich mit dem Ende der Produktion nicht abfinden. In Bochum wird bisher der Familienvan Zafira gebaut. Danach hatte die Unternehmensleitung Zusagen für den Standort für hinfällig erklärt. Kurzzeitig drohte damit der völlige Rückzug des Unternehmens aus der Stadt. Auch für das Warenverteilzentrum war der Weiterbetrieb vertraglich bisher nur bis Februar 2016 gesichert.

Der Streit um den Standort war zwischenzeitlich mit harten Bandagen und gegenseitigen Vorwürfen ausgefochten worden. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel hatte sogar Klage gegen Opel erhoben. Einenkel wirft dem Autobauer vor, den Aufsichtsrat nicht korrekt über seine Pläne informiert zu haben, die Produktion des Zafira Ende 2014 nach Hessen zu verlagern. Der ursprünglich am 5. Dezember geplante Verhandlungstermin wurde auf den 28. Januar 2014 verschoben, wie das Landgericht Darmstadt ebenfalls am Montag mitteilte.

Das Bochumer Opelwerk war 1963 als ein Strukturwandelprojekt auf ehemaligem Zechengelände gegründet worden und hatte in Spitzenzeiten rund 20 000 Menschen beschäftigt. Jetzt soll nach dem Ende der Autoproduktion eine Entwicklungsgesellschaft «Bochum Perspektive 2022» die 1,7 Millionen Quadratmeter großen Werksflächen - das entspricht 250 Fußballfeldern - vermarkten und dabei ein besonderes Gewicht auf kleine und mittlere Unternehmen legen. Dafür gibt es nach Auskunft des NRW-Wirtschaftsministeriums großes Investoren-Interesse.