Opposition gewinnt Wahl in Finnland

Nach dem knappen Sieg der liberalen Opposition bei der Parlamentswahl in Finnland ist die Koalitionsfrage noch völlig offen. Auf Oppositionschef Juha Sipilä von der Zentrumspartei warten nach Einschätzung von Beobachtern lange und harte Verhandlungen.

«Keine Regierungsalternative ist von vornherein ausgeschlossen», versicherten die Parteisekretäre der vier größten Parteien am Montag im finnischen Fernsehen.

Außer Konservativen und Sozialdemokraten könnten die Rechtspopulisten Teil der neuen Regierung werden, die Finnland aus der schweren Wirtschaftskrise führen soll.

Bei der Wahl am Sonntag war die bisherige Vier-Parteien-Koalition unter dem Konservativen Alexander Stubb abgewählt worden. Nun ist es an dem früheren IT-Unternehmensboss und Millionär Sipilä, eine neue Regierung zu bilden. Sipiläs Zentrumspartei lag mit 21,1 Prozent der Stimmen vor Konservativen (18,2), Rechtspopulisten (17,6) und Sozialdemokraten (16,5).

«Wir sind gekommen, um zu bleiben», verkündete der Chef der populistischen Partei der Finnen, Timo Soini, bei einer Pressekonferenz nach der Wahl. Ziel sei zunächst, an den Koalitionsverhandlungen teilzunehmen. Eine Zusammenarbeit mit den EU-Gegnern schließt Sipilä nicht aus.

«Es scheint, als hätte Finnland einen Schritt in eine konservative Richtung gemacht», sagte Wahlforscher Erkka Railo von der Uni Åbo am Montag der Zeitung «Hufvudstadsbladet». Sozialdemokraten und Linkspartei hatten bei der Wahl gemeinsam nur 46 Sitze im neuen Parlament errungen - weniger als jemals zuvor in der Geschichte des Reichstags. Railo hielt eine Koalition aus Zentrumspartei, Konservativen und Rechtspopulisten für wahrscheinlich.