Opposition um Klitschko baut Barrikaden

Nach einer Großkundgebung mit Hunderttausenden Demonstranten in Kiew hat die ukrainische Opposition mehrere Regierungsgebäude in der Hauptstadt mit Barrikaden blockiert.

Die proeuropäischen Anhänger um Boxweltmeister Vitali Klitschko versperrten Straßen und Gehwege mit Holzstämmen, Privatautos und Zelten. Das Innenministerium verlegte am Montag wegen der andauernden Proteste 700 zusätzliche Mitglieder einer Sondereinheit nach Kiew.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton vermittelt von diesem Dienstag an zwischen den verfeindeten politischen Lagern in der Ex-Sowjetrepublik. Ashton will während ihres zweitägigen Aufenthalts in Kiew helfen, nach einem Weg aus der politischen Krise zu suchen.

Nach dem Aufruf des früheren Außenministers Arseni Jazenjuk, das Regierungsviertel zu blockieren, leiteten die Sicherheitsbehörden in Kiew Ermittlungen gegen die Opposition wegen angeblichen Umsturzversuchs ein. Jazenjuk sagte, er sei für diesen Dienstag zu einer Anhörung vorgeladen, wisse aber nichts von einer Anklage.

Die Macht gehöre dem ukrainischen Volk, nicht dem Präsidenten, betonte der Parteikollege der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Der frühere Innenminister Juri Luzenko sagte, für die Opposition gebe es nur zwei Möglichkeiten: «Gefängnis oder Sieg.»

Klitschko besuchte mit seinem Bruder Wladimir Oppositionsanhänger auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) und an den Barrikaden im Regierungsviertel. «Wir tun dies, damit Präsident Viktor Janukowitsch unsere Forderungen endlich hört», sagte er. Auf dem Maidan harrten trotz eisiger Kälte zahlreiche Menschen in Zelten aus.

Bei einem der größten Massenproteste in Kiew seit Jahren hatten Regierungsgegner am Sonntag Neuwahlen gefordert. Die Opposition im zweitgrößten Flächenstaat Europas demonstriert seit knapp drei Wochen auch gegen den auf Druck Moskaus gestoppten EU-Kurs der ukrainischen Führung.