Organspende-Prozess: Staatsanwältin will Haft für Chirurgen

Im Prozess um den Organspende-Skandal an der Göttinger Universitätsmedizin will die Staatsanwaltschaft den angeklagten Chirurgen für lange Zeit hinter Gitter schicken.

Zur Halbzeit ihres Plädoyers am Landgericht Göttingen forderte Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff Einzelstrafen von jeweils bis zu drei Jahren Haft für die elf angeklagten Fälle von versuchtem Totschlag. Erst nach dem Plädoyer auch zu den drei Fällen von Körperverletzung mit Todesfolge will die Anklagebehörde ihren Gesamtantrag stellen. Dies wird für den Nachmittag erwartet.

Der frühere Chef der Göttinger Transplantationsmedizin soll in elf Fällen medizinische Daten manipuliert haben, um die Wartezeit seiner Patienten auf Spenderlebern zu verkürzen und damit ihre Überlebenschance zu erhöhen. Andere schwer kranke Patienten seien deshalb möglicherweise gestorben, weil sie auf der Warteliste für Spenderorgane zurückgerutscht waren. Der Arzt habe durch seine Manipulationen den Tod dieser anonym gebliebenen Menschen billigend in Kauf genommen, sagte Wolff.

Der Chirurg habe gezielt falsche Angaben gegenüber der Organvergabestelle Eurotransplant gemacht, sagte Wolff. So habe er etwa fälschlich angegeben, alkoholkranke Leberpatienten hätten die vorgeschriebene Abstinenzzeit von sechs Monaten bereits hinter sich. In drei Fällen soll der Chirurg Lebern ohne ausreichenden medizinischen Grund und ohne wirksame Einwilligung übertragen haben. Diese Patienten waren später gestorben.

Nebenklage und Verteidigung halten ihre Schlussvorträge voraussichtlich am Dienstag und Mittwoch. Das Urteil wird für den 6. Mai erwartet. Der angeklagte Arzt hatte die Vorwürfe in dem seit August 2013 laufenden Prozess stets bestritten. Nach Bekanntwerden des Falls war die Zahl der Spenderorgane in Deutschland deutlich gesunken.