Organspende-Skandal: Antrag auf Freilassung des angeklagten Arztes

Der im Organspende-Skandal in Göttingen angeklagte Arzt könnte vor Weihnachten wieder auf freiem Fuß sein. Das Landgericht werde in der kommenden Woche über die Freilassung des 46-Jährigen entscheiden, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther am Dienstag.

Organspende-Skandal: Antrag auf Freilassung des angeklagten Arztes
Swen Pförtner Organspende-Skandal: Antrag auf Freilassung des angeklagten Arztes

Die Verteidigung beantragte, den Haftbefehl gegen den im Januar festgenommenen Mediziner außer Vollzug zu setzen. Die Staatsanwaltschaft will, dass der Arzt in Untersuchungshaft bleibt.

Dem früheren Leiter der Transplantationschirurgie am Göttinger Universitätsklinikum wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen. Er soll Daten manipuliert haben, um schneller Spenderorgane für seine Patienten zu bekommen. Dabei nahm er laut Anklage billigend in Kauf, dass andere Patienten kein Organ erhielten und deshalb möglicherweise starben. In drei Fällen soll er ohne medizinische Notwendigkeit Lebern übertragen haben. Diese Patienten waren später gestorben.

Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab. Er könnte auf freien Fuß kommen, weil es Zweifel am Vorsatz gebe, sagte eine Sprecherin.

Am Dienstag sagte ein früherer Patient als Zeuge aus, der trotz seiner Alkoholkrankheit eine Spenderleber bekam. Der Mann war, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, vor der OP entgegen den Vorschriften nicht längere Zeit abstinent. Am 2. April 2011 sei er wegen massiver Leberprobleme ins Einbecker Krankenhaus gegangen, berichtete der 54-Jährige. Zuvor habe er eine halbe oder vielleicht auch eine ganze Flasche Rum getrunken. Dann sei er umgekippt und wisse nichts mehr.

Fünf Tage später sei er dann auf einer Intensivstation des Göttinger Uniklinikums mit einer neuen Leber aufgewacht. «Zuerst dachte ich, mich haben Außerirdische entführt», berichtete er. Er habe überhaupt nicht gewusst, wo er war. Ärzte hätten ihm damals gesagt, dass er ohne Transplantation gestorben wäre. Seine alte Leber sei so geschwollen gewesen, «dass sie beim Hinsetzen im Weg war», berichtete der Patient. Er verzichte seither auf Alkohol. «Sonst wäre ja alles für die Katz gewesen.» Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.