Orkan «Niklas» stoppt Züge im Westen

Extreme Windgeschwindigkeiten, gestrandete Pendler: Der Orkan «Niklas» hat den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen streckenweise lahmgelegt. Wegen des Sturmtiefs zog die Bahn die Notbremse und stoppte den Nahverkehr im bevölkerungsreichsten Bundesland für den gesamten Tag.

Regionalzüge und S-Bahnen blieben in den Bahnhöfen stehen. Im Fernverkehr fuhren nur einzelne Züge. Tausende Reisende und Pendler saßen fest. Es sei einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre, sagte Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Der Wetterdienst gab Unwetterwarnungen für große Teile Deutschlands heraus. Der Sturm könne Bäume entwurzeln, Gegenstände durch die Luft wirbeln und schwere Schäden an Gebäuden verursachen. Besonders betroffen waren zunächst Teile von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Das Tief zieht von Westen her über das Land.

In der Nacht wurden nach Angaben des DWD Windgeschwindigkeiten von bis zu 99 Kilometern pro Stunde in Aachen und 94 Kilometern pro Stunde in Wuppertal gemessen, auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, erreichte «Niklas» sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 169 Kilometern pro Stunde.

In Nordrhein-Westfalen sollen die Regionalzüge und S-Bahnen der Deutschen Bahn den ganzen Tag stillstehen. «Wir hoffen den Nahverkehr mit Betriebsbeginn am Mittwoch wieder aufnehmen zu können», sagte eine Bahnsprecherin in Düsseldorf. Das hänge aber von der weiteren Entwicklung des Sturms ab.

Das Ruhrgebiet war vom Bahnverkehr weitgehend abgeschnitten. Der Fernverkehr von Dortmund über Essen und Düsseldorf nach Köln war komplett gestört. Bäume lagen auf den Gleisen, Äste hingen in Oberleitungen, einzelne Streckenabschnitte waren komplett ohne Strom.

Im Fernverkehr fuhren zunächst einzelne Züge zwischen Hamm und Berlin sowie südlich von Köln. Die Strecke von Dortmund über Wuppertal nach Köln konnte im Laufe des Vormittags für einzelne Fernverkehrszüge wieder freigegeben werden. 

Auch in Bayern kam es wegen des Unwetters zu Verspätungen und Zugausfällen im Regional- und ICE-Verkehr. Davon war besonders die Fernstrecke zwischen München und Stuttgart betroffen.

Probleme meldete auch Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt. Bereits seit dem Morgen kam es zu Verspätungen, am Mittag sprach der Betreiber Fraport von rund 40 ausgefallenen Starts und Landungen.

Vielerorts waren Polizei und Feuerwehr im Einsatz, um umgestürzte Bäume von Autobahnen und Bundesstraßen zu räumen. Im Frankfurter Bahnhofsviertel stürzte ein 15 Meter hohes Baugerüst auf vier parkende Autos, verletzt wurde niemand, wie die Feuerwehr mitteilte.

Auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland knickte «Niklas» Bäume und Strommasten um. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sagte: «Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um.»

In mehreren Bundesländern öffneten Freizeitparks und Zoos wegen des Orkans vorsorglich nicht. In Hamburg blieb der Dom, der traditionelle Jahrmarkt, geschlossen. Die Feuerwehr in München sperrte wegen des Orkans den Viktualienmarkt.

Die Stärke von «Niklas» komme nicht an «Wiebke» und «Vivian» heran, die Anfang 1990 verheerende Schäden anrichteten, sagte der DWD-Meteorologe Kirchhübel. Und auch Orkan «Christian» am 28. Oktober 2013 sei mit Böen bis zu 172 Kilometern pro Stunde an der Küste stärker gewesen.