Orkan «Xaver» wütet über Nordeuropa

Der Orkan «Xaver» hat den Norden Europas mit großer Wucht getroffen. Das Unwetter mit gefährlichen Böen und Schnee im Gepäck legte das Leben von Millionen Menschen lahm.

An den Schulen in Norddeutschland fiel der Unterricht aus, zahlreiche Flüge wurden gestrichen. Die Halligen in der Nordsee meldeten «Land unter». Noch bis zum Freitag, dem Nikolaus-Tag, sollte «Xaver» toben. Das ist länger als «Christian», der vor etwa sechs Wochen Bäume umstürzte, Dächer abdeckte oder Strände wegspülte. In Großbritannien starben zwei Menschen durch den Sturm.

Das Orkantief hatte am Donnerstagmittag die deutsche Nordseeküste erreicht und wütete zunächst mit Böen von um die 120 Stundenkilometern - am frühen Abend waren es in List auf Sylt 133 Stundenkilometer. Der Westen Schleswig-Holsteins überstand die erste Phase des Unwetters nach frühen Behördeneinschätzungen glimpflich. In der Nacht zum Freitag wurde dort noch eine sehr schwere Sturmflut erwartet. Für Hamburg hob der Deutsche Wetterdienst (DWD) seine Unwetterwarnung am Abend auf.

Nördlich der Linie Hannover, Münster und Berlin mussten sich die Menschen gegen tückischen Böen wappnen. Richtung Süden sollte der orkanartige Wintereinbruch ab 1000 Metern Höhe kommen. In Hamburg rechnete das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit einer Serie von Sturmfluten.

Die nordfriesischen Halligen meldeten schon am frühen Donnerstagnachmittag «Land unter». Inseln waren vom Festland abgeschnitten, die Fähren stellten den Betrieb ein. Auch in Richtung Helgoland ging nichts mehr. Im Westen Mecklenburg-Vorpommerns wurden Bäume umgerissen. Die Polizei warnte angesichts vorhergesagter Orkanspitzen bis 140 Kilometer pro Stunde vor Fahrten mit dem Auto.

Zunächst hatte «Xaver» in Großbritannien katastrophale Zustände angerichtet. In Schottland waren am Nachmittag 100 000 Häuser ohne Strom. Ein Mann starb in einem Park in der englischen Grafschaft Nottinghamshire, nachdem ein Baum auf ihn gefallen war. Zuvor wurde in Schottland der Fahrer eines Lastwagens getötet, als sein Fahrzeug umkippte.

Der Verkehr im Süden Skandinaviens war über weite Strecken lahmgelegt. In Dänemark fuhren keine Züge mehr, alle größeren Brücken waren gesperrt, Fähren blieben in den Häfen. Von den Flughäfen in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und im norwegischen Oslo starteten Maschinen nicht oder verspätet. Am Flughafen Stavanger ging kaum noch etwas. Am Mittag hatte der Sturm, den die Dänen «Bodil» getauft haben, die Westküste getroffen und war dann Richtung Osten gezogen. An vielen Schulen fiel der Unterricht aus, Unternehmen gaben Mitarbeitern frei.

Auch an Flughäfen wie München, Düsseldorf oder Köln/Bonn wirkte sich der Sturm aus. In Hamburg wurden bis zum Abend fast alle Starts und Landungen gestrichen. Auch für Freitag gab es weitere Absagen.

Den Bahnverkehr bremste der Sturm ebenfalls aus: Auf mehreren Strecken etwa in Schleswig-Holstein wurde die Geschwindigkeit von Dieseltriebwagen gedrosselt. Der «Sylt Shuttle» fuhr nicht mehr. Züge zwischen Kiel und Eckernförde sowie Kiel und Lübeck fielen aus. In Schleswig-Holstein und Hamburg ist auch am Freitag schulfrei, ebenso an den staatlichen Schulen in Mecklenburg-Vorpommern.

Weihnachtsmärkte waren vielerorts geschlossen oder machten vorzeitig dicht - etwa in Hamburg, Kiel, Lübeck, Schwerin und Rostock, aber auch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt.

In Hamburg wurden am Freitagmorgen die höchsten Wasserstände der Elbe erwartet. Der Fischmarkt steht bereits unter Wasser. Außergewöhnlich große Schiffe durften weder in die Elbe einlaufen noch den Hamburger Hafen verlassen. Im Fährverkehr konnten mehrere Anleger nicht mehr angesteuert werden - etwa am Fischmarkt oder der Elbphilharmonie.

In Niedersachsen stellten die Reedereien ihre Verbindungen vom Festland zu den ostfriesischen Inseln weitgehend ein. Die Meyer Werft in Papenburg, auf der riesige Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, unterbrach den Betrieb vorsichtshalber bis zum Beginn der Nachtschicht.