Oscar de la Rentas schillernder Nachruf

Ein Mann verbindet die Pop-Sängerin Taylor Swift, die frühere First Lady Laura Bush, die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und den Hollywood-Star Amy Adams: Sein Name ist Oscar de la Renta, seine Kreationen geliebt, bewundert und getragen von Stars und First Ladys weltweit.

Oscar de la Rentas schillernder Nachruf
Monica Davey Oscar de la Rentas schillernder Nachruf

Nun sind über 120 seiner Modeschöpfungen aus fünf Jahrzehnten unter einem renommierten Dach ausgestellt. Das «de Young» Kunstmuseum in San Francisco zeigt die erste große Retrospektive seines Schaffens - eineinhalb Jahre nach dem Tod des Modemachers. 

Fast wäre es nicht dazu gekommen. Wer würde sich dafür schon interessieren, das sei doch protzig, habe de la Renta zunächst bescheiden abgewehrt. Dies erzählt seine langjährige Vertraute, die Kunstmäzenin Dede Wilsey, vor der Ausstellungseröffnung. Doch zwei Monate vor seinem Tod habe der Couturier eingewilligt.

Kurator der Schau ist de la Rentas enger Freund André Leon Talley, als früherer «Vogue»-Redakteur, selbst eine Legende in Modekreisen. «Er konnte eine junge Taylor Swift in ein rosa Ballkleid mit einer enormen Schleppe stecken, und ebenso eine First Lady wie Laura Bush elegant einkleiden», schwärmt er über de la Renta.

Nun sind die fantasievollen Kreationen kunstvoll um Schaufensterpuppen drapiert: Ein perlenbesticktes Seidenkostüm, das Laura Bush 2002 bei einem Staatsempfang trug, Swifts prinzessinnenhaftes Satin-Kleid für die New Yorker Met-Gala 2014, Amy Adams' zartblaue Tüllrobe, mit der die Schauspielerin 2013 über den Oscar-Teppich lief, Hillary Clintons goldbraunes Seidenkleid für ein Gala-Dinner im Weißen Haus.

Die bis Ende Mai laufende Ausstellung ist ein Wechselspiel von Farben, Stilrichtungen und Multimedia-Effekten. Im Raum «spanische Einflüsse» wirbeln Flamenco-Tänzerinnen über eine Videowand, daneben die schwarz-roten Spitzenkreationen des Designers. 1951 war der junge Kunststudent aus der Dominikanischen Republik nach Madrid gezogen, er begeistert sich für Flamenco und Stierkampf. Bald entwirft er Mode, lernt bei Größen wie Cristobal Balenciaga, später in Paris bei Christian Dior und Pierre Balmain. 

Die Opulenz französischer Königshäuser prägen ihn, ebenso russische und fernöstliche Elemente, Formen und Farben der Natur. «Garten Inspiration» ist ein Raum voller Licht und Farben, mit floraler, romantischer Haute Couture. Dazu läuft ein Video mit Aufnahmen von de la Rentas weitläufigem Garten im US-Staat Connecticut. Auf seinem Landsitz war er am 20. Oktober im Alter von 82 Jahren an Krebs gestorben. Nur wenige Wochen zuvor machte er noch mit dem Brautkleid für die Hochzeit von Amal Alamuddin und George Clooney Schlagzeilen.

1963 war der Modeschöpfer nach New York gekommen, kurz arbeitet er für Elizabeth Arden, dann startet er sein eigenes Label, elegant, stilvoll, verspielt und opulent. «Er wollte nie avant­gar­dis­tisch sein», erklärt Talley. «Er war glücklich, Kleider zu machen, in denen Frauen wunderschön aussahen und sich absolut gut fühlten.»

De la Renta galt als charmant, elegant und extrem loyal. Mit vielen seiner prominenten Kundinnen war der preisgekrönten Designer auch befreundet. Das habe es leichter gemacht, so viele Original-Entwürfe und Leihgaben für die Ausstellung zu bekommen, meint der Kurator. Er klopfte bei Privatleuten, bei Museen und natürlich bei de la Rentas Modehaus und seiner Familie an.

Bis zum 30. Mai sind de la Rentas Entwürfe zu sehen, die ältesten stammen aus den frühen 60er Jahren, darunter ein strassverzierter kurzer Vinyl-Mantel. Eine seiner letzten Schöpfungen von 2014 ist ein grellrosa, blumenbesticktes Sommerkleid. Der Modeschöpfer war ein leidenschaftlicher Hobbygärtner, erfährt der Besucher. In seiner karibischen Heimat sei er von leuchtenden Farben und süßem Blumenduft umgeben aufgewachsen. «Ein Garten ist wohl die spirituellste und reinste Form der Freude», wird de la Renta zitiert.