Ovtcharov verteidigt EM-Titel: 4:1-Sieg gegen Freitas

Mit Urgewalt und einem unbändigen Siegeswillen hat Europas Tischtennis-König Dimitrij Ovtcharov seine Regentschaft verlängert.

Ovtcharov verteidigt EM-Titel: 4:1-Sieg gegen Freitas
Sergei Ilnitsky Ovtcharov verteidigt EM-Titel: 4:1-Sieg gegen Freitas

Der Titelverteidiger wiederholte durch einen 4:1-Erfolg gegen Marcos Freitas aus Portugal seinen EM-Sieg von 2013 und freute sich im russischen Jekaterinburg über ein Novum. Der Olympia-Dritte, der in Abwesenheit des verletzten Rekord-Champions Timo Boll mit seinem insgesamt achten EM-Gold die Bilanz des Deutschen Tischtennis Bund (DTTB) aufpolierte, ist der erste Europameister, der den Titel auf asiatischem Terrain gewann.

«Dima hat sich gut bewegt und das sehr gut gemacht. Er hat stets die Kontrolle behalten», lobte Sportdirektor Richard Prause den Ausnahmespieler. In einem zunächst taktisch geprägten Finale nahm Bundestrainer Jörg Roßkopf bereits im ersten Satz die Auszeit. Ab dem dritten Durchgang wurden die Ballwechsel immer hochklassiger und extrem schnell. Der Weltranglisten-Neunte Freitas forderte Ovtcharov voll, doch der DTTB-Star hatte mit 14:12, 9:11, 11:9, 11:4, 11:6 das bessere Ende für sich.

Nach dem Matchball sprang «Dima» über die Umrandung, lief auf das Siegerpodest, zog das Trikot aus und posierte in Siegermanier. Die Anspannung eines kräftezehrenden Turniers musste erstmal raus. Der 27 Jahre alte Hamelner, der sein Geld beim russischen Club Fakel Orenburg nicht allzu weit entfernt vom EM-Ort auf europäischem Gebiet verdient, hatte jede Menge Kraft in die Mission Titelverteidigung investiert.

14 Einzel absolvierte Ovtcharov an zehn Turniertagen, alle 14 gewann er. Mit der letzten Partie verlängerte das bärenstarke Kraftpaket eine tolle Serie. Zum fünften Mal seit 2010 stellte der DTTB den Sieger in der Königsdisziplin, die Konkurrenz ist aber näher gerückt. Österreich gewann nach Gold im Team auch den Titel im Herren-Doppel durch Stefan Fegerl an der Seite des Portugiesen Joao Monteiro und lag in der Herren-Wertung vor dem Aufgebot von Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Ovtcharovs Gala-Show verdeckte auch Schwächen. Mit zweimal Gold und jeweils einmal Silber und Bronze fiel die Bilanz im Vergleich zum EM-Rekord 2013 in Schwechat (4/2(2) bescheidener aus. Am schwarzen Samstag gab es in sieben Viertelfinals fünf deutsche Niederlagen. «Da haben wir einige Medaillen liegen gelassen», gab Sportdirektor Richard Prause zu. «Vor Rio werden wir mehr im Athletikbereich arbeiten. Solide spielen reicht selbst bei einer EM nicht.»

Groß war die Enttäuschung bei den Damen. Nach dem souveränen Team-Sieg verpasste Top-Favoritin Han Ying die Medaillenränge. Bei der Siegerehrung für die neue Europameisterin Elizabete Samara aus Rumänien waren die Golden Girls nur Zuschauerinnen. «Unser Anspruch ist es, dabei zu sein», sagte Prause. «Gegen Abwehrsysteme haben meine Spielerinnen noch Steigerungspotenzial», nannte Bundestrainerin Jie Schöpp einen Schwachpunkt.

Die Weltranglisten-Elfte Han Ying, selbst eine gute Abwehrspielerin, verlor gegen die 42 Plätze schlechter eingestufte Lokalmatadorin Polina Michaylowa (Russland). Die deutsche Meisterin Petrissa Solja hatte gegen Abwehrass Li Jie (Niederlande) das Nachsehen. Der Berlinerin schmerzte der linke Schlagarm. «Ich bin sehr froh, dass in Zukunft Team- und Individal-Europameisterschaften getrennt werden», sagte die 21-Jährige. Der extremen Zeitplan forderte Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Zuschauer täglich zwölf Stunden.