«Paarweise»: Mary Heilmann und David Reed in Berlin

Es ist ein ungewöhnliches Experiment: Die Berliner Nationalgalerie stellt die beiden renommierten US-Künstler Mary Heilmann (*1940) und David Reed (*1946) erstmals in einer gemeinsamen Ausstellung vor. Im Mittelpunkt stehen 19 Bildpaare, die trotz aller Unterschiedlichkeit in einen intensiven Dialog miteinander treten.

«Paarweise»: Mary Heilmann und David Reed in Berlin
Britta Pedersen «Paarweise»: Mary Heilmann und David Reed in Berlin

«Für mich erfüllt sich der langgehegte Wunsch, diese beiden Schlüsselfiguren der abstrakten amerikanischen Malerei einmal zusammen zu zeigen», sagt Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann vor der Ausstellungseröffnung am Donnerstag. «Beider Werke hat von Anfang an bestimmt, nicht zu einer Versicherung von Malerei beizutragen, sondern zu einer Verunsicherung.»

«Two by Two» - paarweise - heißt die Ausstellung im Berliner Museum Hamburger Bahnhof. Und so hängen jeweils zwei Bilder dicht an dicht. Einmal so unterschiedliche wie Reeds explodierende Farbkomposition «#8» (1973) neben Heilmanns streng geometrischem Schwarz-Weiß-Bild «Stevie's Rip» (2007). Ein andermal sprechen beide Werke von vornherein eine ähnliche Sprache, wie die gleichermaßen auf Schwarz-Weiß reduzierten Arbeiten «#93» (Reed, 1976) und «Lifeline» (Heilmann, 1990-1994).

«In dieser Symbiose lassen sich die Werke nicht mehr losgelöst voneinander sehen und verschmelzen in neuer Form mit der Imagination des Betrachters», sagt Co-Kuratorin Sophie Mattheus. Dazu läuft wie aus einer sphärischen Welt Heilmanns Remix des Soundtracks aus dem Hitchcock-Klassiker «Vertigo».

Die Künstler, beide in Kalifornien geboren, beide seit langem in New York zu Hause, haben Konzeption und Aufbau der Ausstellung selbst mitgestaltet. «Uns zu treffen und diese abgefahrene Idee von "paarweise" umsetzen, hat mich zu ganz vielen neuen Dingen inspiriert», sagt Mary Heilmann. Und David Reed erwägt gar ein gemeinsames Werk. «Mary hat mir gesagt, dass sich unsere Bilder in Berlin küssen könnten.»

Für Museumsdirektor Kittelmann ist die Ausstellung auch ein «Lehrstück über die Möglichkeiten der modernen Malerei». Heilmann, von der Bildhauerei kommend, sei von Musik und Fotografie beeinflusst. Reed setze mit seiner Faszination für das Kino auf die gestische Bewegtheit seiner Bilder. Gemeinsam sei beiden, dass sie seit jeher die Freiräume jenseits des strengen Tafelbildes ausloteten.

Beispiel ist etwa Reeds Installation «Scottie's Bedroom» (1994): Zu sehen ist ein benutztes Bett mit einem Gemälde über dem Kopfende, das auf einen Videoschirm auf dem Nachtkästchen übertragen wird. «Auch dass Heilmann bis heute Keramik macht, dass sie Möbel bis hin zu einem Lampenschirm macht, war einmal igittigitt», sagt Kittelmann. «Wir sollten mittlerweile wissen, dass sich Malerei weit über das hinaus entwickelt hat.»