Wohl keine Rettung für den Retter Stevens    

 An Lob mangelte es nicht für Huub Stevens nach der zweiten Rettung des VfB Stuttgart vor dem Abstieg aus der Bundesliga.

Vereinschef Bernd Wahler nannte ihn einen «Wahnsinnstyp», Sportdirektor Robin Dutt attestierte ihm einen «riesigen Job», und Kapitän Christian Gentner zollte dem Coach Respekt, «hundert Prozent VfB reingelegt» zu haben. Selbst der einstige Stuttgarter Torjäger Jürgen Klinsmann twitterte: «Glueckwunsch zum Klassenerhalt!! Tolle Arbeit von Huub Stevens und seinem Stab!!»

Trotz aller Lobpreisung wird der Retter nach dem schwäbischen Happy End («mir hends gschafft») wohl nicht zu retten sein.

Die Stuttgarter Führung verweigerte nach dem 2:1 beim SC Paderborn die Aussage über die Zukunft von Stevens beim VfB, obwohl angeblich in dem Ex-Leipziger Alexander Zorniger längst sein Nachfolger für die kommende Saison feststehen soll. «Wir wollen erstmal die Aktualität genießen und ein Glas Rotwein trinken», sagte Sportchef Robin Dutt und wich der Frage nach dem zukünftigen Stuttgarter Chefcoach aus, kündigte aber eine «zeitnahe Entscheidung» an.

Der 61-jährige Niederländer selbst reagierte bärbeißig und nebulös auf die kuriose Situation. «Wenn ich auf Mallorca bin, kann ich meine Geschichte erzählen. Aber vielleicht muss ich dann auch schnell wieder zurückkommen, um das Training vorzubereiten», meinte Stevens vielsagend. Er wisse schon lange, «wie es weitergeht», zog aber schon einmal ein Fazit seines Rettungsdienstes: «Diese Zeit war nicht einfach, aber es hat Spaß gemacht.»

Auskunft darüber, wie und wo es zukünftig nach dem zweiten knapp entronnenen Sturz nach 2014 in die Fußball-Zweitklassigkeit weitergeht, möchte auch der Teamkapitän haben. «Die Mannschaft weiß von nichts», erklärte Gentner und forderte: «Der Verein muss sich jetzt Gedanken machen. In den letzten Jahren sind einige Dinge schiefgelaufen.»

Dass es im deutschen Fußball-Oberhaus für die Schwaben 40 Jahre nach dem letzten Abstieg weitergeht, verdankt der VfB auch Stürmer Daniel Ginczek, der das 2:1-Siegtor (72. Minute) erzielte. «Ich war so froh, dass der Ball im Netz gezappelt hat. Wir haben ein sehr, sehr großes Ziel erreicht», stellte Ginczek fest. Dabei begann die Partie mit dem 0:1 des Paderborners Marc Vucinovic (4.) denkbar ungünstig. Daniel Didavi (36.) glich den Rückstand aber vor der Pause aus. «Es sind Tonnen Ballast abgefallen. Ein brutal schwieriges Jahr ist nun vorbei», meinte VfB-Torwart Sven Ulreich, der mit Freudentänzen und -schreien vor der Tribüne mit den Stuttgart-Fans feierte.

«Unsere Ruhe und unser Zusammenhalt waren ausschlaggebend, deswegen haben wir uns die Liga auch verdient», befand Dutt. Und eine ausgelassene Feier bis in den Morgen in einem italienischen Restaurant in Stuttgart, wo die Spieler auch ihren wohl scheidenden, oft mürrischen Trainer Stevens («Ich bin kein Feierbiest») hochleben lassen wollten. «Ich glaube, der Knurrer aus Kerkrade wird heute gezähmt werden. Wir werden Spaß haben», sagte Torschütze Ginczek.

Nicht vergessen und vergeben ist trotz des guten Ausgangs des Abstiegsdramas, dass Stevens die Profis im Training als «Affen» beschimpfte. «Die Bananen kommen auf den Tisch, um Energie zu tanken», frotzelte Ginczek. «Der Trainer hat einen großen Anteil daran, weil er immer eine klare Linie durchgezogen hat», erklärte Angreifer Martin Harnik, «wenn auch manchmal mit fragwürdigen Methoden.»

Als Stevens am 12. Spieltag seine Arbeit aufnahm, stand der VfB Stuttgart auf dem letzten Tabellenplatz und blieb dort danach noch 16 Mal. «Wir haben immer gesagt, er ist genau der richtige Mann. Deshalb haben wir aus kompletter Überzeugung an ihm festgehalten», sagte Dutt sichtlich mitgenommen. Ob es eine weitere Zusammenarbeit mit Huub Stevens geben wird? Für VfB-Präsident Wahler hat er immerhin «immer einen Platz in meinem Herzen».