Pakistan: Staatstrauer nach Taliban-Massaker an Christen

Nach dem bislang schwersten Anschlag auf die christliche Minderheit in Pakistan hat eine dreitägige Staatstrauer in dem südasiatischen Land begonnen. Auf Regierungsgebäuden in der Hauptstadt Islamabad wurde die Nationalflagge auf halbmast gesetzt. Abgeordnete trugen schwarze Armbinden im Parlament.

Die Zahl der Toten des Anschlags stieg nach Angaben der Behörden auf 83. Weitere 147 Menschen wurden verletzt, als sich zwei Selbstmordattentäter der Taliban nach der Sonntagsmesse vor einer Kirche in der Stadt Peshawar in die Luft sprengten.

In Peshawar, Islamabad, Lahore und anderen Städten protestierten Tausende Menschen gegen die extremistische Gewalt und für besseren Schutz von Christen. Teilweise kam es zu Ausschreitungen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Demonstranten blockierten Straßen und setzten Reifen in Brand. Tote wurden zunächst nicht gemeldet.

Eine Splittergruppe der pakistanischen Taliban (TTP) namens Junood ul-Hifsa bekannte sich zu dem Anschlag. «Wir haben die Selbstmordanschläge in Peshawar durchgeführt und werden weiterhin Ausländer und Nicht-Muslime angreifen, bis die (amerikanischen) Drohnen-Angriffe aufhören», hieß es in einer Mitteilung. Dieselbe Gruppe hatte die Verantwortung für einen Angriff auf das Basislager am Nanga Parbat in Nordpakistan übernommen. Dabei waren im Juni zehn ausländische Bergsteiger und ein einheimischer Helfer getötet worden.

Der Anschlag auf die Christen lässt Premierminister Nawaz Sharif offenbar von Plänen für Friedensgespräche mit der TTP abrücken. «Es sieht so aus, als wäre Frieden mit den Monstern keine Option mehr», hieß es am Montag aus dem Innenministerium. «Wir haben andere Mittel, um mit ihnen umzugehen, und werden sie nutzen.» Bei einem Bombenanschlag am Montag in der südwestpakistanischen Provinz Baluchistan wurden am Montag drei Polizisten und zwei Zivilisten getötet. Drei weitere Menschen seien verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Papst Franziskus verurteilte den Anschlag in Pakistan. «In Pakistan wurde aufgrund einer falschen Entscheidung des Hasses und des Krieges ein Anschlag verübt und 70 Menschen sind gestorben. Dieser Weg ist der falsche, er führt zu nichts. Nur der Weg des Friedens baut eine bessere Welt auf», sagte der Papst bei seinem Besuch auf Sardinien am Sonntagabend.