Papst Franziskus bekommt Karlspreis

Mit einer Messe haben im Vatikan die Feierlichkeiten zur Verleihung des Karlspreises an Papst Franziskus begonnen. Das katholische Kirchenoberhaupt erhält die renommierte Auszeichnung der Stadt Aachen für seine Verdienste um Europa.

Papst Franziskus bekommt Karlspreis
Ettore Ferrari Papst Franziskus bekommt Karlspreis

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) saß bei der Messe, die vom deutschen Kardinal Walter Kasper zelebriert wurde, in der ersten Reihe.

Vermutlich mit leichter Verspätung sollte gegen Mittag der eigentliche Festakt im Apostolischen Palast beginnen, bei dem der Papst eine mit Spannung erwartete Rede halten wird.

Nach einer Audienz für EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk kam Merkel zu einer gesonderten Unterredung mit dem Papst zusammen. Für die protestantische CDU-Vorsitzende war es bereits die dritte Privataudienz und die vierte persönliche Begegnung mit dem argentinischen Pontifex. Das Verhältnis zwischen beiden gilt als gut. Die Unterredung begann mit etwa 15 Minuten Verspätung.

Der Argentinier aus Buenos Aires nimmt die Auszeichnung in der prächtigen Sala Regia des Apostolischen Palastes entgegen. An dem Festakt nehmen die EU-Spitzen, Kanzlerin Merkel und der spanische König Felipe VI. teil.

Franziskus hatte im November 2014 eine viel beachtete Rede vor dem Europaparlament gehalten und den Mächtigen die Leviten gelesen. Dabei verglich er Europa mit einer Großmutter, sprach von einem müden und gealterten Kontinent. Er warb für ein gemeinsames Europa, das sich nicht nur um die Wirtschaft dreht, sondern vor allem solidarisch mit Armen und Alten ist. Zudem forderte er eine gemeinsame Politik zur Rettung der Migranten im Mittelmeer.

Erst im April hatte Franziskus die griechische Insel Lesbos besucht und die internationale Gemeinschaft eindringlich dazu aufgerufen, mit Menschlichkeit auf die Flüchtlingskrise zu reagieren. Dies gelte besonders für die Europäer, mahnte er.

Schon vor Beginn des eigentlichen Festaktes herrschte großer Andrang im Vatikan. Allein aus Aachen wollten Hunderte Delegierte teilnehmen. Schulz, Tusk, Juncker und der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp wollten Reden halten.

Mit Spannung wurde zudem die Ansprache des Preisträger Franziskus erwartet. Beobachter gehen davon aus, dass der 79-Jährige auf die Lage Europas vor allem in der Flüchtlingskrise eingehen und neue Impulse geben wird.

Franziskus erhält den Karlspreis für seine ermutigenden Worte und seine Verdienste um Europa. Der Argentinier ist der erste Papst, der den regulären Karlspreis erhält. Johannes Paul II. war 2004 ein außerordentlicher Karlspreis verliehen worden.