Papst in Kuba: Ideologien sind der falsche Weg

Papst Franziskus hat bei seinem Besuch im kommunistischen Kuba Ideologien als falschen Weg bezeichnet und mehr religiöse Freiheiten gefordert. Der Dienst am Menschen dürfe niemals ideologisch sein, betonte er bei einer Messe auf dem Revolutionsplatz in Havanna.

«Denn man dient nicht Ideen, sondern man dient den Menschen.» Die Annäherung zwischen den einstigen Erzfeinden USA und Kuba nannte der 78-Jährige vorbildhaft für die ganze Welt.

Franziskus selbst hatte die Annäherung der einstigen Erzfeinde vermittelt, seit Juli haben beide Staaten wieder Botschaften im anderen Land. Am Dienstag reist Jorge Mario Bergoglio in die USA weiter, er ist der erste Papst, der die beiden Länder während einer Reise besucht. Er ermuntere die verantwortlichen Politiker, weiter auf dem Weg der Versöhnung voranzuschreiten, sagte der Papst. «Als Beweis für den erhabenen Dienst, den zu leisten sie berufen sind für den Frieden und das Wohlergehen ihrer Völker.»

Nach der Landung am Samstag hatte er Staatschef Raúl Castro aufgefordert, auch den Öffnungsprozess im Verhältnis zur katholischen Kirche weiter zu verstärken. Die Kirche wolle das kubanische Volk auf seinem Weg begleiten, «in Freiheit und mit allen notwendigen Mitteln und Freiräumen», betonte er.

Franziskus ist nach Johannes Paul II. (1998) und Benedikt XVI. (2012) als dritter Papst auf Kuba. Franziskus bat Castro, seinem Bruder Fidel - dem Anführer der Revolution von 1959 - «den Ausdruck meiner speziellen Achtung und Ehrerbietung» zu übermitteln. Über Jahrzehnte war eine offene Ausübung des Glaubens nicht möglich, viele Priester verließen das Land. Heute gilt Religionsfreiheit - aber Kirchen sind oft spärlich besucht.

Raúl Castro bezeichnete das seit fast 55 Jahren bestehende US-Handelsembargo als «grausam, unmoralisch und illegal» und forderte die rasche Aufhebung. Die auf Vermittlung des Vatikans erfolgte Annäherung und Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit den Vereinigten Staaten könne nur «ein erster Schritt sein». Auch die Militärbasis in Guantánamo müsse zurückgegeben werden. 

Vor dem Besuch hatte er mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat über eine weitere Annäherung gesprochen. Das Telefonat der Staatschefs war deren erstes direktes Gespräch seit ihrer historischen Begegnung beim Amerika-Gipfel in Panama im April.

Zur Enttäuschung kubanischer Dissidenten, die ein Signal des Papstes gegen Menschenrechtsverletzungen fordern, war mit ihnen kein Treffen geplant. Er bat aber, auch all diejenigen zu grüßen, «die ich aus verschiedenen Gründen nicht werde treffen können».

Auch während seiner Reise beschäftigt Franziskus die Situation der Flüchtlinge in Europa. Vor seiner Abreise am Samstag besuchte der Papst eine syrische Flüchtlingsfamilie, die im Vatikan untergekommen ist. Ihr Schicksal habe ihn «sehr bewegt», sagte er im Flugzeug. «Man hat in diesen Gesichtern den Schmerz gesehen», berichtete er nach dem Treffen mit der vierköpfigen Familie. «Ich glaube, dass die Welt heute nach Frieden dürstet», sagte er.