Papst ruft zu Reform der Kirche auf

Papst Franziskus hat in seinem ersten apostolischen Lehrschreiben zu weitreichenden Reformen und einer radikalen Öffnung der katholischen Kirche aufgerufen.

Papst ruft zu Reform der Kirche auf
Claudio Peri Papst ruft zu Reform der Kirche auf

In dem am Dienstag veröffentlichten rund 200 Seiten langen Text fordert der Pontifex die Kirche auf, «neue Wege» und «kreative Methoden» zu wählen. Das herrschende Wirtschaftssystem nennt er «in der Wurzel ungerecht». In seiner «Regierungserklärung» bekräftigt er zugleich die Position der Kirche zur Abtreibung und den Ausschluss von Frauen vom Priesteramt.

Den Bischöfen komme bei der Reform der Kirche eine entscheidende Rolle zu, schreibt Franziskus nach einer von «Radio Vatikan» veröffentlichten Zusammenfassung. «In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen Dezentralisierung voranzuschreiten», heißt es in dem Schreiben.

Franziskus fordert auch eine Reform des Papsttums. Man dürfe keine Angst haben, Dinge anzugehen, die zwar historisch gewachsen seien, aber nicht direkt mit dem Evangelium zusammen hingen.

Mit starken Worte fordert der Papst eine Hinwendung der Kirche zu den sozialen Problemen der Welt: «Mir ist eine "verbeulte' Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.»

Franziskus versucht zugleich Kontinuität zu seinem Vorgänger Benedikt XVI. zu demonstrieren und zitiert Joseph Ratzinger mit den Worten: Die größte Gefahr sei der «graue Pragmatismus des kirchlichen Alltags, bei dem scheinbar alles mit rechten Dingen zugeht, in Wirklichkeit aber der Glaube verbraucht wird und ins Schäbige absinkt».

Der argentinische Papst unterstreicht die Notwendigkeit, die Verantwortung der Laien für die Kirche zu stärken. Teils durch mangelnde Ausbildung, teils durch «ausufernden Klerikalismus» spielten die Laien nicht die Rolle, die sie spielen sollten. Auch müssten die «Räume für eine wirksamere weibliche Gegenwart in der Kirche noch erweitert werden» vor allem dort, wo die wichtigen Entscheidungen fielen.

Das den Männern vorbehaltene Priestertum stehe dabei nicht zur Diskussion, könne aber Anlass zu Konflikten geben, «wenn die sakramentale Vollmacht zu sehr mit der Macht verwechselt wird». Auch die Jugendlichen müssten eine größere Rolle in der Kirche spielen.

«In der Wurzel ungerecht» nennt Papst Franziskus das aktuelle ökonomische System. Diese Form der Wirtschaft töte, denn in ihr herrsche das Gesetz des Stärkeren. Der Mensch sei nur noch als Konsument gefragt, und wer das nicht leisten könne, der werde nicht mehr bloß ausgebeutet, sondern ausgeschlossen, weggeworfen.

Diese Kultur des Wegwerfens habe etwas Neues geschaffen. Die Ausgeschlossenen seien nicht Ausgebeutete, sondern «Müll, Abfall». Die Welt lebe in einer neuen Tyrannei des «vergötterten Marktes», die manchmal sichtbar, manchmal virtuell sei. Hier regierten Finanzspekulation, Korruption und Egoismen, die sich etwa in Steuerhinterziehung ausdrückten.

Die Armen seien für die Kirche zuerst eine theologische Kategorie, dann erst eine soziologische oder politische, schrieb Franziskus laut «Radio Vatikan» weiter. «Aus diesem Grund wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen.»

Die Kirche werde ihre Einstellung in der Frage der Abtreibung nicht ändern, stellte der Papst klar. Der Schutz des ungeborenen Lebens sei keine Frage der Modernität, der sich die Kirche anpassen müsste. Wahr sei aber auch, «dass wir wenig getan haben, um die Frauen angemessen zu begleiten, die sich in sehr schweren Situationen befinden», etwa nach Vergewaltigungen.