Papst spricht Machtwort: Auszeit für Limburger Bischof

Der Papst nimmt den umstrittenen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit einer Auszeit aus der Schusslinie. Die weitere Zukunft des Limburger Oberhirten lässt er damit offen.

Der 53-Jährige, dem unter anderem Verschwendung beim Bau seiner Residenz und Falschaussage vorgeworfen werden, bleibt nach einer Entscheidung des Vatikans formell zunächst im Amt. Die Geschäfte übernimmt umgehend ein neuer Generalvikar. Die Vorgänge im Bistum Limburg hatten die katholische Kirche in eine neue Vertrauenskrise gestürzt. Ob Tebartz-van Elst an die Bistumsspitze zurückkehren kann, ist angesichts der vergifteten Stimmung in der Diözese fraglich.

In der Diözese sei es zu einer Situation gekommen, in welcher der Bischof seinen Dienst «zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben kann», hieß es in der Mitteilung des Vatikans. In Absprache mit Papst Franziskus werde sich Tebartz-van Elst daher zunächst von den Amtsgeschäften im Bistum zurückziehen. Nach dpa-Informationen wird angestrebt, die Zukunft des Bischofs binnen zwei Monaten - vor dem Weihnachtsfest - endgültig zu klären.

Der Papst sei über die Lage in der Diözese «zu jedem Zeitpunkt umfassend und objektiv informiert worden», versicherte der Vatikan. Derzeit nimmt eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Prüfungskommission die Kosten der Limburger Residenz unter die Lupe. Bis Ergebnisse vorlägen, werde Tebartz-van Elst «eine Zeit außerhalb der Diözese» verbringen, so die Entscheidung aus Rom. Unklar ist bislang, wann die Kommission ihren Bericht vorlegen wird.

Das Limburger Domkapitel - ein Leitungsgremium - ist skeptisch, ob es für Tebartz-van Elst nach seiner Auszeit eine Zukunft in der Diözese geben kann. «Es ist eine Vertrauenskrise, die schwer zu beheben sein wird», sagte Domdekan Günther Geis. Prälat Helmut Wanka sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass während der Auszeit des Bischofs zerstörtes Vertrauen wieder aufgebaut werden könne. Das Domkapitel hat keine Informationen darüber, wo sich Tebartz-van Elst derzeit aufhält.

Die deutschen katholischen Bischöfe zeigten sich nach der Entscheidung des Papstes erleichtert. Dadurch werde «ein Raum eröffnet, um in dieser Situation zur inneren Ruhe zurückzufinden und eine neue Gesprächsbasis zu schaffen», teilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, mit. Der Bischof von Münster, Felix Genn, erklärte: «Aus der Distanz heraus kann er sich selbst leichter fragen, wie es zu der derzeitigen Situation kommen konnte und was er sich auch selbst für die Zukunft vorstellen kann.»

Die meisten Bischöfe äußerten sich aber skeptisch: «Eine Rückkehr des Bischofs in das Bistum Limburg und einen dortigen Neuanfang mit Tebartz-van Elst halte ich nach wie vor für sehr schwierig», sagte der Osnabrücker Oberhirte Franz-Josef Bode der «Welt». Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, äußerte in den «Stuttgarter Nachrichten» die Hoffnung, «dass Tebartz-van Elst die Zeit nutzt, die Situation jetzt auch für sich persönlich zu klären».

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, sagte: «Die Entscheidung von Papst Franziskus bietet eine Chance eines ersten Schrittes für einen Neubeginn im Bistum Limburg.» Die Situation sei in den zurückliegenden Wochen zu einer zunehmenden Belastung für die Gläubigen dort und die Kirche in Deutschland geworden.

Der Limburger Bischof steht vor allem wegen seiner Amtsführung und der mindestens 31 Millionen Euro teuren Residenz auf dem Limburger Domberg in der Kritik. Außerdem droht dem 53-Jährigen neben einem Strafbefehl wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien weiterer Ärger mit der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft, ob sie nach Untreue-Anzeigen gegen den Oberhirten ein Ermittlungsverfahren einleiten wird.

Der vorübergehende Stellvertreter des Bischofs in Limburg, Wolfgang Rösch, war bereits zuvor für Anfang 2014 zum neuen Generalvikar ernannt worden. Er vertritt in dieser Rolle den Diözesanbischof im Bereich der allgemeinen Verwaltung.

«Hätte er (der Papst) den Bischof direkt zum Amtsverzicht gezwungen oder des Amtes enthoben, wäre das einer Vorverurteilung gleichgekommen», sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster der dpa. Der Papst habe die Zügel in die Hand genommen. «De facto ist er jetzt Bischof von Limburg», sagte Schüller. Eine Rückkehr von Tebartz-van Elst ins Bistum halte er für ausgeschlossen.

Mit großer Gelassenheit reagierte die katholische Laienbewegung «Wir sind Kirche» auf die Entscheidung. Es entspreche guter Rechtspraxis, dass Papst Franziskus vor einem endgültigen Votum zunächst die Erkenntnisse der Untersuchungskommission abwarten möchte, sagte «Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner der dpa. Für Tebartz-van Elst sei die Entscheidung auch ein Zeichen großer Barmherzigkeit des Papstes. Die Laienbewegung betonte aber erneut, Tebartz-van Elst könne nach ihrer Auffassung nirgendwo mehr das Bischofsamt ausüben.