Parlamentswahl wird in Australien zur Hängepartie

Nach überraschenden Stimmenverlusten der konservativen Regierungskoalition steuert Australien nach den Parlamentswahlen auf eine schwierige Regierungsbildung zu.

Parlamentswahl wird in Australien zur Hängepartie
Mick Tsikas Parlamentswahl wird in Australien zur Hängepartie

Ein Patt im Parlament war nach Auszählung von rund zwei Dritteln der Stimmen am Samstag nicht ausgeschlossen, wie ersten Ergebnisse der Wahlkommission zeigten. Die linke Labor-Partei dürfte nach Hochrechnungen des Senders ABC deutlich Sitze dazugewinnen. Es sah allerdings nicht so aus, als ob es für einen Sieg reiche.

Nach wochenlangem Kopf-an-Kopf-Rennen hatte die Koalition in letzten Umfragen noch leichte Zuwächse verzeichnet. Politologen erklärten das mit dem Brexit-Votum in Großbritannien. In unsicheren Zeiten hätten die Konservativen Vorteile, weil sie traditionell als Partei gelten, die die Wirtschaft gut steuert.

Nach einer Hochrechnung des Senders ABC könnte die Koalition von Regierungschef Malcolm Turnbull (61) von derzeit 90 Parlamentssitzen 17 verlieren, Labor könnte zu seinen 55 Sitzen 12 dazugewinnen. Die Koalition käme danach auf 73 Sitze, Labor auf 67 und der Rest ginge an kleine Parteien. Damit hätte niemand die Mehrheit von 76 Sitzen erreicht.

In Stimmprozenten war der Umschwung weniger dramatisch: Nach den ABC-Berechnungen verlor die Koalition rund 3,5 Prozent der Stimmen, Labor, Grüne und Unabhängige gewannen Stimmen hinzu. Die Koalition lag nach diesen Rechnungen mit fast 42 Prozent der Stimmen vor Labor unter Oppositionschef Bill Shorten (49) als zweitstärkster Kraft mit 35 Prozent. Sowohl Turnbull als auch Shorten hatten sich bei der Stimmabgabe siegesgewiss gegeben.

Die Spitzenkandidaten waren mit traditionellen Themen in den Wahlkampf gezogen. Turnbull versprach mehr Wachstum und Arbeitsplätze, Shorten mehr Ausgaben für Bildung und Gesundheit.

Ein Thema, das viele Wähler bewegt, kam im Wahlkampf kaum zur Sprache: der Klimawandel. Australien stößt wegen der großen Kohleförderung pro Kopf der Bevölkerung so viel CO2 aus wie kaum ein anderes Industrieland. Der rechte Flügel der Konservativen schwor Turnbull darauf ein, die Kohleindustrie nicht mit zu hohen Auflagen zur Emissionsreduzierung zu belasten. Shorten musste versprechen nichts zu tun, was die mehr als 50 000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie gefährden könnte.