Parlamentswahlen in Albanien von Gewaltwelle getrübt

Schüsse, Schlägereien, Manipulationen und schwere Vorwürfe der Opposition an die Regierung: Die Parlamentswahlen in Albanien, die von den USA und der EU als Demokratietest für das arme Balkanland bezeichnet worden waren, sind am Sonntag in Teilen außer Kontrolle geraten.

Parlamentswahlen in Albanien von Gewaltwelle getrübt
Armando Babani

In der Stadt Lac (35 Kilometer nördlich Tiranas) wurde ein sozialistischer Parteianhänger erschossen. Ein Regierungskandidat wurde verletzt. Im südalbanischen Hafenstadt Vlora zerstörte eine Explosion das Auto des örtlichen sozialistischen Parteisekretärs.

«Bewaffnete Kriminelle und Banditen» bedrohten im Auftrag der Regierung die Wähler vor einigen Wahllokalen im Norden, behauptete der oppositionelle sozialistische Spitzenpolitiker Ilir Meta. Die überregionale und örtliche Polizei lasse sie gewähren, ohne einzuschreiten. Aus zahlreichen Landesteilen wurde von Schlägereien vor Wahllokalen berichtet.

Unabhängige Wahlbeobachter sprachen von massiven Unregelmäßigkeiten: Wähler hätten ohne Personalausweise abstimmen dürfen. Einige Wahllokale öffneten mit stundenlanger Verspätung. Einzelne Wähler gaben für ganze Familien die Stimmen ab. In einem Fall wurde die Abstimmung unterbrochen, weil es viel mehr Wähler als Stimmzettel gab.

Bis zum Mittag hatten 23,5 Prozent der 3,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Sie sollen entscheiden, ob der seit 2005 amtierende Regierungschef Sali Berisha (68) mit seinen rechtskonservativen Demokraten ein drittes Mandat bekommt. Herausforderer sind die Vereinigten Linken unter Führung des früheren Hauptstadt-Bürgermeisters Edi Rama (48). Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen im ärmsten Land Europas. Faire Wahlen sind die Voraussetzung, dass das NATO-Mitglied näher an Brüssel rücken kann.