Pechstein verdient sich ein Eis: 32. Weltcupsieg

Als Belohnung hatte sie sich ein großes Eis von ihrem Lebensgefährten verdient: Claudia Pechstein düpiert auch mit 42 Jahren noch immer die Weltelite.

Pechstein verdient sich ein Eis: 32. Weltcupsieg
Jeon Heon-Kyun Pechstein verdient sich ein Eis: 32. Weltcupsieg

In 7:07,77 Minuten gewann die fünfmalige Olympiasiegerin über 5000 Meter in Seoul souverän ihr 32. Weltcuprennen und kletterte zum 108. Male in dieser Serie auf das Siegerpodest. Ihr Partner Matthias Große hatte ihr zuvor ein Eis als Motivation für einen Treppchen-Platz versprochen.

«Nach dieser Schnapszahl-Zeit werden wir aber auch anstoßen», meinte Pechstein jubelnd. Nach ihrem Glanzrennen hatte sie demonstrativ den Daumen in die Luft gereckt, obwohl Olympiasiegerin Martina Sablikova noch am Ablauf stand. Die Tschechin mühte sich redlich, verfehlte aber Pechsteins Topzeit gleich um 5,31 Sekunden und wurde Zweite.

«Es ist einfach ein tolles Gefühl, auf meiner Spezialstrecke wieder einmal ganz oben zu stehen», sagte die Hauptstädterin fröhlich nach ihrem ersten 5000-Meter-Erfolg seit sechs Jahren. «Ich kann mich gar nicht erinnern, wann es das letzte Mal war.» Im November 2008 - also noch vor ihrer Sperre aufgrund erhöhter Blutwerte - hatte sie in Moskau gewonnen.

Im vergangenen Winter waren Pechstein Weltcupsiege über 3000 Meter in Calgary und im Massenstart in Inzell gelungen. «Ich habe mich im Training einfach gut gefühlt, viel besser als vorige Woche in Obihiro», räumte sie ein. Dort hatte sie über 3000 Meter Platz sieben belegt, aber auch das deutsche Trio unverhofft auf Platz drei im Team-Rennen geführt.

«Es ist einfach der Wahnsinn, was wir heute erlebt haben. Es war technisch ein Superlauf», gab sich Teamchef Helge Jasch euphorisch. «Das hätte wohl keiner geglaubt, was unsere 'ältere Dame' hier wieder gezeigt hat. Sie hat gekämpft wie eine Löwin», lobte Bente Kraus. Sie wurde Achte und ärgerte sich ein wenig, nicht letztes Risiko gewagt zu haben. «Heute wären sogar die Top Sechs drin gewesen», sagte sie.

Freuen durfte sich auch Judith Hesse. Nur wenige Minuten nach Pechsteins Sieg gelang der 32 Jahre alten Erfurterin der nächste Paukenschlag. Sie sprintete in 38,95 Sekunden auf Platz drei und verbuchte ihre zweite Podestplatzierung über 500 Meter. Im Duell um den Sieg wies die Japanerin Nao Kodaira in 38,05 Sekunden Olympiasiegerin Lee Sang-Hwa aus Südkorea (38,18) erstmals in dieser Saison in die Schranken.

«Die ersten beiden waren weit weg, dahinter war es brutal eng. Ich hatte heute mit der Innenbahn zum Schluss ein bisschen das Glück auf meiner Seite», meinte Hesse. «Mein Plan ist aufgegangen, möglichst so in die Saison zu starten, wie ich die zurückliegende beendet hatte», fügte sie hinzu. Im März hatte sie als Zweite in Inzell ihre bisher beste Platzierung auf einer olympischen Strecke verbucht.

Nur haarscharf verpasste Nico Ihle über 500 Meter das Podest, der Chemnitzer wurde in 35,42 Sekunden Vierter. Wie in Obihiro war Pawel Kulischnikow nicht zu bezwingen. In 34,94 Sekunden wies der bis zum Frühjahr wegen Stimulanzien-Dopings gesperrte Russe die Konkurrenz in die Schranken. Einen schlechten Tag erwischte Rekord-Weltmeister Sven Kramer. Der Niederländer wurde beim Sieg von des Norwegers Sverre Lunde Pedersen über 1500 Meter nur Siebter.